Benin: Einsatz in einem Flüchtlingslager - „Wir sind die ersten, die die Flutopfer mit medizinischer Hilfe erreichen“

von Karin Uckrow/SRA, 22.11.2010

Weite Teile Benins stehen noch immer unter Wasser. Massive Regenfälle hatten das westafrikanische Land in den vergangenen Wochen in ein Katastrophengebiet verwandelt. Hunderttausende Menschen in den Flutgebieten brauchen dringend Hilfe. Inmitten verwüsteter Landstriche kämpfen sie weiterhin gegen Hunger und Krankheit.

Gemeinsam mit den medizinischen Teams von humedica arbeitet Koordinatorin Karin Uckrow in Benin, um den Menschen in ihrer Not zu helfen. Ihr aktueller Bericht erzählt von den Nachwirkungen einer Katastrophe, die in den Medien leider keinerlei Aufmerksamkeit erhält.

Auch für viele Kinder ist ein Zeltlager oft der letzte Zufluchtsort nachdem die Fluten ihre Häuser zerstört haben. Foto: humedica/Karin Uckrow

„Es regnet noch immer in Benin, was für diese Jahreszeit ungewöhnlich ist. Aber es regnet nicht mehr so stark wie in den vergangenen Monaten und in den meisten überfluteten Teilen des Landes gehen die Wasserpegel nun endlich zurück.

Um für die Opfer der Überschwemmungen vor Ort medizinische Hilfe zu leisten, hat humedica ein zweites Einsatzteam nach Benin geschickt. Vergangene Woche war unser Einsatzort ein Flüchtlingslager im Süden des Landes, nahe der Stadt Ouinhi. 769 Menschen leben in diesem Camp. Familien, die durch die starken Überschwemmungen ihre Häuser und meist auch ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben. Hier finden sie vorübergehend eine Zuflucht.

Die Lebensverhältnisse sind entsprechend einem Flüchtlingslager sehr einfach. Immerhin gibt es zwei Wasserstellen, wodurch die nötigste Versorgung mit sauberem Trinkwasser für die Menschen sichergestellt werden kann. Zu hoffen ist, dass dadurch auch ein Ausbruch von Epidemien ausbleibt. Lebensmittel erhalten die Bewohner des Camps vom World Food Programme der Vereinten Nationen. Für die nächsten Wochen haben sie so wenigstens ausreichend zu essen.

Medizinische Versorgung für hunderte von Flüchtlingen in einem entlegenen Lager in Benin. Foto: humedica/Karin Uckrow

Lange Zeit mussten die Menschen in dem entlegenen Flüchtlingslager ohne medizinische Versorgung auskommen. humedica ist die erste Organisation, die die Flutopfer hier mit ärztlicher Hilfe erreicht. Entsprechend groß ist der Andrang auf unser Team. Trotz der extremen Hitze, die für uns kaum zu ertragen ist, warten die Menschen aus dem Camp in langen Schlangen geduldig darauf, von den humedica-Ärzten behandelt zu werden.

Allein am ersten Tag werden so 285 Patienten versorgt. Die meisten Leute, die uns in dem Zeltlager aufsuchen, leiden unter Würmern, Atemwegserkrankungen und Malaria. Viele ältere Menschen benötigen unsere Hilfe außerdem bei Wirbelsäulenerkrankungen und Arthrose.

Dankbar sind wir für die Unterstützung, die wir bei unserer Arbeit von einigen lokalen Helfern erhalten. Für das humedica-Ärzteteam und die Übersetzer kümmern sie sich um die Registrierung und die erste Sichtung der Patienten.

Wir freuen uns auch darüber, dass die Zusammenarbeit mit dem lokalen Personal, sowie den verantwortlichen Autoritäten und den anderen Hilfsorganisationen im Land sehr gut funktioniert. Das macht uns die Arbeit in den Flutgebieten erheblich leichter.

Bringt gemeinsam mit dem humedica-Team Hilfe und Hoffnung zu den Flutopfern: Krankenschwester Irmgard Römpp. Foto: humedica/Karin Uckrow

Die Fahrten zu unseren Einsatzorten hingegen sind oft sehr lang. Das Flüchtlingslager bei Ouinhi ist mehr als vier Stunden mit dem Auto entfernt. Daher entschließen wir uns, an diesem Tag in dem Camp zu übernachten. So kann unser Team bis kurz vor Sonnenuntergang Patienten behandeln, bevor wir alle erschöpft von einem langen Tag auf unsere Matratzen fallen.

Die Nacht ist allerdings nur kurz. Morgens um halb vier werden wir geweckt: eine Geburt steht an. Mit Taschenlampen, Übersetzern und dem nötigsten medizinischen Gerät ausgestattet, wird das humedica-Team zu Geburtshelfern. Gegen vier Uhr erblickt an diesem Novembermorgen die kleine Marie Luise das Licht der Welt.“

Liebe Freunde und Förderer, bitte unterstützen Sie uns auch weiterhin bei unseren Bemühungen, den Flutopfern in Benin in ihrer Not beizustehen. Helfen Sie uns bitte mit einer Spende über unser Online-Formular oder auf folgendes Konto:

      humedica e. V.
      Stichwort "Flut Benin"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Sicher, schnell und direkt ist auch die Möglichkeit der Unterstützung durch das Senden einer sms: Textmitteilung mit Stichwort DOC an die 8 11 90. Von den damit gespendeten 5,- Euro fließen 4,83 direkt in die humedica-Katastrophenhilfe.

Vielen Dank!

Die Katastrophenhilfe in Benin wird umgesetzt in Kooperation mit der Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin (Tübingen), zudem unterstützt vom Auswärtigen der Bundesrepublik Deutschland (Berlin). Danke für die gute Zusammenarbeit.

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