Besuch im Kosovo und in Albanien: humedica-Kindergarten im Kosovo feiert 10-jähriges Jubiläum

von Ruth Bücker, 05.12.2009

Nach dem 1999 eskalierten Bürgerkrieg im Kosovo war die Lage der Einheimischen dramatisch: Hunderttausende flohen in die Nachbarstaaten, in Dörfern wie Krushe e Vogel war nahezu die Hälfte der Häuser zerstört, viele Frauen waren zu Witwen geworden, Kinder hatten ein oder beide Elternteile verloren. Aus einer Begegnung im Jahr 1999 heraus hat sich in den seitdem vergangenen Jahren viel zum Positiven entwickelt.

Die Kinder des humedica-Kindergartens hatten für die Gäste aus Deutschland ein buntes Jubiläums-Programm zusammengestellt. Foto: humedica

Auch die Schule befand sich vor zehn Jahren in einem sehr schlechten Zustand und war zudem nur für Schülerinnen und Schüler bis zur Sekundarstufe ausgerichtet. Während die Jungs für ihre weitere Bildung einen halbstündigen Fußmarsch auf sich nehmen mussten, um in die nächstgelegene Schule zu gelangen, hatten die Mädchen keinerlei Möglichkeit auf weitere Bildung, da sie alleine nicht auf die Straße durften.

Durch den Neubau der Schule in Krushe e Vogel, die auf Empfehlung von humedica durch den Rotary-Club Marktoberdorf mit einer großzügigen Zuwendung der Benefizaktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks errichtet wurde, kann nun sowohl für Mädchen als auch Jungen eine Forsetzung der Schulausbildung gewährleistet werden.

Anfang November dieses Jahres luden die Kinder und vor allen Dingen ihre Betreuerinnen den Geschäftsführer von humedica, Wolfgang Groß, und das humedica-Beiratsmitglied, den Kaufbeurer Pastor Jürgen Fredrich, in den Kosovo ein, um gebührend das 10-jährige Jubiläum des Kindergartens und der humanitären Hilfe von humedica im Allgemeinen zu feiern.

Wolfgang Groß und Jürgen Fredrich berichteten nach ihrer Rückkehr von der ihnen entgegengebrachten Wertschätzung und Anerkennung. Die bedrückende Stimmung der Anfahrt, die an einem Friedhof mit Kriegsopfern vorbeiführt, wurde durch den herzlichen Empfang im Dorf bald wieder aufgehellt. Die Dankbarkeit für die Kindertagesstätte war für beide sehr überwältigend und berührend.

Für die Jubiläums-Feier hatten sowohl ältere Kinder, die in den vergangenen Jahren in dem Kindergarten betreut wurden, als auch die momentan unter der Obhut der Betreuerinnen stehenden Kleinen ein beeindruckendes Programm für die Gäste aus Deutschland zusammengestellt. In traditioneller Kleidung führten die Mädchen und Jungen Tänze auf, trugen in dem Kindergarten gelernte Gedichte vor, musizierten und sangen Lieder.

Kurzer aber eindrücklicher Besuch in Albanien

Wolfgang Groß besuchte die Ordensschwestern Grazias und Bernadette in Albanien. Foto: humedica

Trotz des vollen Terminplans im Kosovo ließen es sich Wolfgang Groß und Jürgen Fredrich nicht nehmen, nach den Feierlichkeiten nach Fushe-Arrez in Albanien zu fahren. humedica unterstützt dort die Arbeit der Ordensschwestern Grazias und Bernadette mit Hilfsgütern aus Kaufbeuren und liefert auch jedes Jahr tausende von Weihnachtspäckchen.

Regelmäßig bekommen die Schwestern für ihre kleine Ambulanz-Station Arzneimittel, Verbandstoffe und medizinischen Sachbedarf. Darüber hinaus haben die beiden Schwestern eine Schneiderei-Lehrwerkstätte für Frauen aufgebaut, unterrichten die Kinder der Region in Religionslehre und bieten eine Betreuung von Buben und Mädchen in ihrer Kindertagesstätte an, deren Bau ebenfalls von Sternstunden gefördert wurde.

Was Schwester Grazias und Schwester Bernadette geschafft haben, sei unglaublich, so Jürgen Fredrich: "Alles was das öffentliche Leben betrifft, haben die Schwestern unter ihre Fittiche genommen und aufgebaut. Selbst das Feuerwehrauto und der Krankenwagen stehen bei ihrem Haus, da es ansonsten schon passieren kann, dass in der Stadt auch mal die Ziege mit dem Krankenwagen transportiert wird."

Die Menschen haben neue Hoffnung gewonnen

Sowohl in Albanien als auch im Kosovo war es für Wolfgang Groß und Pastor Fredrich sehr schön zu sehen, wie sich die Lebenssituationen der Einzelnen über die Jahre ins Positive gewandelt haben.

Die von humedica ins Leben gerufene Einrichtung und die dort Arbeitenden haben dazu beigetragen, dass bei den Kindern und ihren Familien eine langsame seelische Heilung vonstatten gehen konnte. Sie trauen sich wieder öffentlich zu lachen und zu tanzen. Die Menschen wagen es, hoffnungsvoll und auch freudig in die einst so düster erscheinende Zukunft zu blicken.

Neben Tänzen in traditioneller Kleidung trugen die Kinder und Jugendlichen Gedichte und Geschichten vor. Foto: humedica

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