Situationsbericht aus Indonesien - Die Helfer sind schockiert

von Christian Battscheider/ RBU, 08.10.2009

Nach den schweren Beben auf Sumatra vergangene Woche sind die humedica-Mitarbeiter in den Gebieten rund um die Stadt Padang damit beschäftigt, die Katastrophenopfer medizinisch zu versorgen und lebensnotwendige Hilfsgüter zu verteilen. humedica-Koordinator Christian Batscheider ließ uns nach den ersten Einsatz-Tagen einen Bericht zukommen, der den Alltag nach der Katastrophe umschreibt.

"Heute Morgen um 6.00 Uhr sind wir nach nur fünf Stunden Schlaf aufgestanden, haben kurz gefrühstückt und dann Arzneimittel, Verbandstoffe und unser medizinisches Equipment in die Autos verladen. Mit neun Fahrzeugen brechen wir in den Norden von Pariaman auf. Die ersten beiden Stunden Fahrt nutzen wir noch, ums uns etwas auszuruhen. Dann geht es los.

Dullah hat sein gesamtes Hab und Gut verloren. Foto: humedica/ Christian Batscheider

In Pariaman fahren wir nach Osten in ein Seitental, das etwa 15 Kilometer lang ist. Links und rechts der Straße stehen fast ausnahmslos kleine Dörfer oder das, was von ihnen übrig geblieben ist. 80% der Häuser sind zerstört. Die Erwachsenen sitzen vor den zerstörten Gebäuden, einige haben bereits damit begonnen, ihr Haus zu reparieren. Erstaunlich fröhliche Kinder sammeln in braunen Pappkartons Geld von den Insassen der vorbeifahrenden Autos.

Wir sind betroffen von der Zerstörung in diesen Siedlungen und es schmerzt, diese Dörfer hinter uns lassen zu müssen, ohne zu helfen. Aber unser heutiges Ziel ist die weiter entfernte Ortschaft Simpang Lapang. Vereinzelt entdecken wir die auch von humedica ausgegebenen blauen Plastikplanen, die die Bewohner im Garten aufgespannt haben. Darunter liegen die wenigen Habseligkeiten, die aus den zerstörten Häusern noch geborgen werden konnten.

Unsere Fahrtroute gestaltet sich schwieriger als gedacht. Murenabgänge und Risse in der Asphaltdecke verhindern, dass wir schneller vorankommen. Die Stimmung im Auto ist gedrückt. Es macht uns ganz schön zu schaffen, dass die Menschen hier fast alles verloren haben.

Die Straßen im Gebirge sind von Erdrutschen mitgerissen und zerstört worden. Foto: humedica/ Christian Batscheider

Im Dorf Simpang Lapang wird uns berichtet, dass es in den Ortschaften weiter oben in den Bergen noch keine medizinische Hilfe gegeben hat. Die Straße dorthin ist nur noch zu Fuß zu passieren, da die Hälfte der Fahrbahn ins Tal abgerutscht ist. Tiefe Risse im Asphalt wirken wenig vertrauenerweckend. Unser 15-köpfiges Mediziner-Team schultert kurzerhand die Kisten für die medizinische Versorgung und marschiert los.

Bei einer Temperatur von 35 Grad im Schatten und hoher Luftfeuchtigkeit ist der Weg sehr anstrengend. Zeit zum Genießen der wunderschönen Landschaft gönnen wir uns nicht. Als wir an einem Polizeiposten vorbeikommen, helfen uns meine philippinischen Kollegen (ich selbst bin ja Polizeihauptmeister in Bayern) und nehmen die Medikamente mit ihrem bereitgestellten Pick-up mit zur nächsten unpassierbaren Straße.

Auch hier wieder: Schlammmassen von enormem Ausmaß haben die Straße ins Tal gerissen. Einheimische richteten daraufhin einen Trampelpfad über ein angrenzendes Palmenfeld ein. Vor der Schlammlawine treffen wir auf ein ungarisches Rettungsteam, welches uns von 120 Verletzten in den nächsten Ortschaften berichtet. Wir zögern nicht, schultern erneut unsere Medizinkisten und laufen weiter.

Die Helfer sind ständig im Einsatz um Hilfsgüter zu den Opfern der Beben zu bringen. Foto: humedica

Im nächsten Dorf angekommen, beschließen wir, unsere mobile Krankenstation aufzubauen und beginnen mit der Behandlung der Kranken und Verletzten.
Fünf Mitglieder des humedica-Teams machen sich auf den Weg in die nächste Siedlung, um Informationen über die dortige Lage zu bekommen. Auch hier wieder das gleiche Bild.

Eine etwa 300 Meter lange Schlammlawine hat die Strasse und angrenzende Häuser in die Tiefe gerissen. Einige Angehörige und ein einheimisches Rettungsteam sind immer noch pausenlos im Einsatz, um verschüttete Menschen zu bergen. Starker Verwesungsgeruch lässt jedoch vermuten, dass hier bereits Menschen gestorben sind.

Als wir nach einem anstrengenden Fußmarsch im Dorf Kota Tingri ankommen, sind wir geschockt. Das Dorf liegt auf einem Bergplateau im Dschungel. Links und rechts fehlt ein Großteil des Dorfes. Berghänge sind während des Erdbebens abgerutscht. Zahlreiche Häuser liegen nun auf dem Talgrund bzw. die Trümmer dieser Gebäude.

Erdrutsche haben die Dörfer zerstört - die Bewohner stehen vor dem Nichts. Foto: humedica/ Christian Batscheider

Auch hier versuchen Angehörige mit Unterstützung eines kleinen, indonesischen Rettungsteams immer noch verzweifelt, Familienmitglieder unter den Trümmern zu finden. Die Überlebenden berichten, dass 40% der Einwohner getötet worden seien. Die restlichen Dorfbewohner sitzen auf Bambusmatten und schauen traumatisiert und mit apathischem Blick der Aktion der Hilfskräfte zu. Eine erste medizinische Versorgung hat in dieser Ortschaft zwei Tagen nach dem Beben schon stattgefunden. Auf Lebensmittel warten die Bewohner seit 5 Tagen....."

Auch hier leistet humedica mit seinem erfahrenen Ärzteteam einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung und Betreuung der Erdbebenopfer.
Dank Ihrer Spenden konnten wir bereits viel bewirken, sind aber auch weiterhin auf Spenden angewiesen, um unsere Hilfe fortsetzen zu können:

      Spendenstichwort "Erdbeben Sumatra"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

oder hier online.

Dr. Tobias Kees ist auf Sumatra für humedica tätig. Foto: humedica/ Christian Batscheider

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