Chirurgiefortbildung für Professor Dr. Delphin Mehinto aus Benin

von sha, 24.08.2009

Nachdem Professor Stiegler, chirurgischer Chefarzt des Klinikums Kaufbeuren-Ostallgäu, im Juni erstmals Personal des CNHU-Hospital-Cotonou (Benin) anleitete, ist nun sein Pendant, Professor Mehinto, nach Kaufbeuren gekommen, um sich im Allgäu fortzubilden.

Guten Tag Herr Professor Mehinto, Sie sind Ende Juli aus dem Benin in das Allgäu gekommen. War das ein Kulturschock für Sie?

Nein, ich war schon in Frankreich, die Sprache ist eben anders, aber in der Chirurgie muss man handeln und nicht so viel reden. Und jeder hier ist sehr hilfsbereit, einige Ärzte sprechen französisch, ich spreche ja auch englisch. Es gibt keine sprachlichen Probleme.

Sie sind nach Deutschland gekommen, um im der Klinikum Kaufbeuren-Ostallgäu Ihre operativen Fähigkeiten zu vertiefen. Wie gestaltet sich Ihr Alltag?

Ich bin jeden Tag mit dem Ärzteteam um Professor Stiegler im OP und hospitiere, schaue den Ärzten über die Schulter. Die Gefäßchirurgie steckt im Benin noch in den Kinderschuhen. Da gibt es eine Menge Pionierarbeit zu leisten und viel für mich zu lernen.

Prof. Delphin Mehinto nach einem langen Tag Hospitation in der Ostallgäu-Klinik-Kaufbeuren. Foto: humedica/sha

Wie sind die Arbeitsvoraussetzungen im CNHU-Hospital Cotonou und im Benin allgemein?

Die Voraussetzungen im CNHU-Hospital Cotonou sind im afrikanischen Vergleich gut. In Cotonou haben wir ein medizinisches Zentrum, aber die Versorgung wird, je weiter sie nach Norden gehen, immer schwieriger. Ein großes Problem stellt nach wie vor die Sterilisation vor den operativen Eingriffen dar. Das ist nicht wie hier in Deutschland. Zum Glück haben wir nicht so viele Wundinfektionen, aber wir müssen das noch verbessern und eine entsprechende Infrastruktur schaffen.

In welchem Umfang wird die Schulung im Krankenhaus Cotonou weiter geführt? Auf welche Personalressourcen können Sie zurückgreifen?

Das CNHU-Hospital ist ein Universitätskrankenhaus, in dem viele Studenten lernen und dann in kleine Krankenhäuser gehen. Die Vermittlung und Verbesserung von Arbeitsstrukturen ist sehr wichtig. Da müssen wir uns hier eine Menge abgucken und an unsere Verhältnisse anpassen.

Durch das angelaufene Projekt hat sich die Situation für die Dialysepatienten in Cotonou schon gebessert. Mit welchen Schwierigkeiten haben Sie momentan zu kämpfen?

Es fehlen in erster Linie OP-Materialien und chirurgische Instrumente. Für unsere Dialyse-Patienten sind wir zusammen mit humedica auf der Suche nach vier Dialysegeräten.

Vier weitere dieser Dialysegeräte werden im CNHU-Hospital Cotonou benötigt, um die Patienten ausreichend zu versorgen. Foto: humedica

Warum ist die Weiterführung dieses Projekts für die Patienten mit Niereninsuffizienz so wichtig?

Es ist sehr wichtig, wir verzeichnen leider einen Anstieg von Patienten mit Niereninsuffizienz im Benin und wir sind die einzige Hoffnung für diese Menschen. Wir müssen diesen Weg weiter gehen, auch wenn sich Finanzierungsprobleme auftun, wir müssen diesen armen Leuten helfen.

Was sind für Sie persönlich die größten Herausforderungen?

Die größte Herausforderung für mich ist die detaillierte und exakte Aneignung der chirurgischen Technik, damit ich mein Wissen an die Ärzte in Cotonou weitergeben kann.

Vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie alles Gute und Gottes Segen für Ihre Arbeit im Benin.

Vielen Dank. Ich möchte die Gelegenheit nutzen mich bei Wolfgang Gross und dem gesamten humedica-Team für ihr Engagement zu danken. Ein besonderer Dank geht an Herrn Prof. Stiegler und sein Ärzte-Team, die mir die Möglichkeit geben mein chirurgisches Wissen zu vertiefen.

Patient an der Dialyse Foto: humedica

Nachgefragt:

Herr Dr. Koussemou, Sie sind ebenfalls Arzt am Klinikum in Kaufbeuren und engagieren sich intensiv über die Organisation OREDOLA für Ihr Heimatland Benin. humedica und OREDOLA sind Projektpartner; bitte geben Sie uns einen kurzen Überblick Ihrer Arbeit.

Seit 2001 setzen wir uns für die Verbesserung der medizinischen Versorgung im Benin ein. Wir versuchen, Ärzte aus dem Benin hier in Deutschland hospitieren zu lassen, damit sie in dem, was sie tun, besser werden und vielen Menschen helfen können. Wir sind in engem Kontakt mit der Gesundheitsbehörde im Benin, sind aber auf finanzielle Unterstützung angewiesen, wir sind ein kleiner Verein. Die Zusammenarbeit mit humedica schätzen wir sehr.

Herr Dr. Koussemou, vielen Dank für diese zusätzlichen Informationen und auch für Ihre freundlichen und hilfreichen Dienste als Übersetzer.

Weitere Einsätze in Benin:

Professor Stiegler wird im kommenden Jahr eine weitere Schulungsreise in den Benin unternehmen. Bei dem einwöchigen Lehreinsatz stehen dann Weiterbildungen und Vorlesungen für die Ärzte in der Gefäßchirurgie auf dem Programm.

Bitte spenden sie jetzt, damit wir unser Engagement für die Dialysepatienten im Benin fortsetzen und nachhaltige Aufbauhilfe gewährleisten können. Vielen Dank!

humedica e. V.
Stichwort "Benin"
Konto 47 47
BLZ 734 500 00
Sparkasse Kaufbeuren

Gerne auch online über folgenden Link: Benin.
Vielen herzlichen Dank für jede Form der Unterstützung.

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