Erdbeben Italien: Wider das Vergessen - Gretas Geschichte

von Judith Kühl/SRI, 15.04.2009

Unser Leben ist schnell und wird insbesondere von den elektronischen Medien überholt. Das Erdbeben in den italienischen Abruzzen ereignete sich erst vor wenigen Tagen und längst haben sich die Reihen der medialen Interessenten gelichtet. Was bleibt ist das unermessliche Leid vieler Opfer und der Kampf vieler Helfer um Unterstützung und Aufmerksamkeit. humedica wird nicht gehen und mit lokalen Partnern auch mittelfristige Wiederaufbauhilfe leisten.

Koordinatorin Judith Kühl trifft in L'Aquila und Umgebung täglich auf Menschen, die nicht wissen, wie es weitergehen soll und die nicht verstehen, warum ihr schlimmes Schicksal immer stärker in Vergessenheit gerät. Auf dem Weg in die Hauptstadt der Abruzzen trifft Judith Kühl auf Greta, eine junge Frau und die Großmutter ihres Freundes.

Judith Kühl trifft bei ihrer Arbeit täglich Betroffene des Bebens wie Greta und die Großmutter ihres Freundes. Foto: humedica

"Wir stehen mit unserem Auto vor dem Camp an der Straße. Wirklich nur eine Minute später hält ein Kleinwagen direkt vor uns. Eine junge Frau steigt aus und fragt, ob wir der Großmutter ihres Freundes helfen können, die neben ihr im Auto sitzt.

Wir haben zwar Verbandsmaterial und Medikamente, aber als die Frau mir ihre Verletzung am Bein zeigt, empfehle ich dringend eine Behandlung im Camp. Die alte Frau blutete aus einer massiven Schwellung am Bein. Bisher war es ihre Angst, die den Gang in das medizinische Camp verhinderte: Ob sie den Ärzten wohl trauen könne? Nach einigen Diskussionen glaubt sie uns und begleitet uns zur zur Behandlung.

Die Oma wird behandelt, Greta bekommt noch Lebensmittel für die kommenden Tage. Gemeinsam mit ihrem Freund lebt Greta seit dem Beben bei der Nonna (Großmutter), weil ihr eigenes Haus in L´Aquila komplett zerstört wurde. Greta ist schwer traumatisiert. Ihre Augen blicken ins Leere, wenn sie redet. Sie ist blass und die Angst vor weiteren Beben steht ihr ins Gesicht geschrieben.

Auch Gretas Arbeitsplatz ist zerstört, ein Supermarkt in L'Aquila. Das Leben ist langsam geworden nach dem Beben. Es ist fast unheimlich, die ausgestorbenen Städte und Dörfer zu sehen. Keine Menschen, die Häuser stehen leer, nur Feuerwehr, die Brücken sichert oder Straßen absperrt, weil ein Haus einzustürzen droht.

Gretas Angst ist greifbar. Dabei steht momentan die Großmutter im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit. Die alte Frau ist auf die Hilfe ihres Enkels und seiner Freundin angewiesen. Die drei stehen beispielhaft für viele traurige Geschichten in einer eigentlich traumhaften Region. Während Greta erzählt blicken wir auf eine Bergkulisse, die jede Postkarte schmücken kann.

humedica wird auch weiterhin versuchen, einen kleinen Beitrag der Hilfe für die Betroffenen dieses Erdbebens zu leisten. Dabei geht es kurzfristig um die Verteilung von Hilfsgütern, mittelfristig aber durch das Projekt "Stein auf Stein" um Hilfe beim Wiederaufbau.

humedica bittet alle Freunde und Förderer auch weiterhin um gezielte Spenden für unser Engagement in Italien:

humedica e. V.
Stichwort "Erdbeben Italien"
Konto 47 47
BLZ 734 500 00
Sparkasse Kaufbeuren

Bitte spenden Sie auch online für die Erdbebenopfer in Italien. Vielen herzlichen Dank für jede Form der Unterstützung.

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