Ein Tag im äthiopischen Gefängnis - zu Besuch bei einer großartigen Arbeit

von Annett Michael/SRI, 23.03.2009

Einen Tag lang konnte humedica-Mitarbeiterin Annett Michael ein Ärzteteam in ein äthiopisches Gefängnis begleiten. In Zusammenarbeit mit der befreundeten Organisation Prison Fellowship führten die deutschen Mediziner dort für die Inhaftierten wertvolle Behandlungen durch.

Dr. Gabriel Labitzke behandelt Inhaftierte selbstverständlich kostenfrei. Foto: humedica/Annett Michael

"Wir brechen morgens 6.30 Uhr mit zwei Kleinbussen auf. Wir, das sind die humedica-Ärzte Dr. Gunter Müller und sein Sohn, der Medizinstudent Raphael Müller aus Ilmenau, Dr. Gabriel Labitzke aus Dresden, ein Team von Jüngerschaftsschülern der Organisation Jugend mit einer Mission, die ein dreimonatiges Praktikum in Äthiopien durchführen, Seifu, der Leiter von Prison Fellowship Ethiopia, humedica-Mitarbeiterin Susanne Merkel mit ihrem Sohn Jonathan, unsere Übersetzer und Fahrer und ich.

Unser Ziel ist das Gefängnis in Fiche etwa zwei Stunden von Addis Abeba entfernt. Wir sind noch nicht lange gefahren, als unser Kleinbus zu qualmen beginnt. Wir stoppen und füllen aus unseren mitgebrachten Mineralwasservorräten den Kühlwassertank auf. Weiter geht es. Nach einiger Zeit müssen wir noch mal anhalten und Wasser nachfüllen. Mit verminderter Geschwindigkeit fahren wir weiter und kommen schließlich mit einiger Verspätung 10.30 Uhr in Fiche an.

Man lässt uns alle problemlos zum Tor hinein. Neben dem Tor ist ein Wachturm mit einem bewaffneten Wächter. Sonst macht das Gefängnis keinen besonders gesicherten Eindruck. Die Ärzte sind heute schon das dritte Mal in Fiche, sie kennen sich also schon aus und können gleich mit der Arbeit beginnen. Auf dem Hof stehen die Patienten schon Schlange. Gunter und Gabriel beginnen mit der Behandlung, Raphael betreut die Medikamentenausgabe.

Dr. Gunter Müller war mit dem Team während es Einsatz in Äthiopien mehrfach im Gefängnis Fiche. Foto: humedica/Annett Michael

Seifu lädt mich auf einen Rundgang ein und so bekomme ich einen kleinen Einblick in die wertvolle Arbeit von Prison Fellowship Ethiopia. Zuerst sehen wir uns den Frauentrakt an. Prison Fellowship Ethiopia hat diesen errichtet und ausstaffiert. Stockbetten stehen in einem hell und sauber wirkenden Raum. Die Kinder der Frauen leben bis zu einem gewissen Alter mit im Gefängnis.

Prison Fellowship International unterhält einen kleinen Kindergarten, wo die Kinder unter anderem auch schon ersten Englischunterricht erhalten. Für die Frauen und Kinder finanziert Prison Fellowship Ethiopia auch eine extra Küche mit Köchin. An der Wand hängt der Speiseplan dieser Woche. Das Essen ist ausgewogen.

Außerdem unterhalten sie ein Berufsbildungszentrum für die Gefangenen. Auch einen Besucherraum haben sie ausstaffiert. Der Gefängnisdirektor lädt uns in sein Büro ein. Er erzählt uns, dass er sehr dankbar für die Arbeit ist. Die Zusammenarbeit ist sehr gut. Die medizinische Versorgung ist jedoch ein generelles Problem in den Gefängnissen. Das Gefängnis in Fiche hat ein Jahresbudget von rund 700 Euro für die medizinische Versorgung von 1400 Gefangenen und 71 Angestellten.

Die provisorische Apotheke ist wichtiges Element der Behandlungen. Foto: humedica/Annett Michael

Anschließend sehen wir uns noch den Männertrakt an. Was für ein Unterschied zum Frauentrakt. 700 Männer sind auf engem, dunklem Raum untergebracht. Aber natürlich gibt es auch viel mehr Männer als Frauen im Gefängnis. Ein paar Männer genießen das Privileg, dass sie einen eigenen Webstuhl mit ins Gefängnis bringen durften. In einem überdachten Unterstand, den die Gefangenen selbst gebaut haben, weben sie Tücher wie sie oft von äthiopischen Frauen getragen werden, die ihre Verwandten dann außerhalb des Gefängnisses verkaufen können.

Wir gehen zurück zu den Ärzten, die inzwischen schon eine ganze Anzahl von Gefangenen behandeln konnten. Häufig sind Magen-Darm-Erkrankungen, Hautkrankheiten oder Würmer, aber auch sehr schmerzhafte bakteriell bedingte Muskelentzündungen und natürlich gibt es auch viele HIV-infizierte Insassen. Auch mitgebrachte Brillen werden verteilt. Um 12 Uhr ist Mittagspause. Es gibt Semmeln und Bananen, die das Team von Jugend mit einer Mission mitgebracht hat.

Nach der Pause arbeiten sie Ärzte weiter bis etwa 15 Uhr. Zum Schluss werden auch noch einige Gefängniswärter und Angestellte untersucht und behandelt. Dann geht die Fahrt - zum Glück ohne Zwischenfälle - zurück nach Addis Abeba.

Liebe Freunde und Förderer, liebe Interessierte, liebe Besucher: Wir möchten Einsätze wie den oben beschriebenen gerne auch zukünftig durchführen. Viele Menschen in unterschiedlichen Ländern warten auf unsere Hilfe. Bitte unterstützen Sie unseren geplanten Ärzteteameinsätze mit einer gezielten Spende.

humedica e. V.
Stichwort "Ärzteteameinsätze"
Konto 47 47
BLZ 734 500 00
Sparkasse Kaufbeuren

Bitte spenden Sie auch online für die Ärzteteameinsätze. Vielen herzlichen Dank für jede Form der Unterstützung.

Annett Michael (rechts) und Susanne Merkel mit den "Gefängniskindern" aus Fiche. Foto: humedica

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