Basistraining für medizinische Teams: "Jetzt wird mein Alltag zum Training"

von Judith Kühl/SRI, 20.05.2009

"Ein humedica-Basiscamp macht aus meinem Alltag ein Training." Das sagte Rettungsassistent Simon Gelzenleuchter, der mit knapp vierzig Teilnehmern aus medizinischen Berufen am vergangenen Wochenende am Camp teilnahm. Im Interview mit Judith Kühl erzählt Simon Gelzenleuchter von weiteren Erlebnissen.

Simon, warum hast Du Dich für das Basistraining angemeldet?

Vor zehn Jahren etwa habe ich im Fernsehen einen Bericht über humedica gesehen. Ich bin Rettungsassistent. Seit längerer Zeit hatte ich überlegt, mich ehrenamtlich für humedica einzusetzen. Schon immer wollte ich Menschen, auch weltweit, helfen, die durch Katastrophen und schwierige Lebensumstände dringend auf Hilfe angewiesen sind.

Was motiviert Dich überhaupt, Menschen in Not zu helfen?

Grundsätzlich beeindruckt mich die Möglichkeit, helfen zu können. Es kann heraus fordern, aber es ist nicht schwer zu helfen. Doch mein Blick richtet sich nicht nur auf Deutschland. Oft helfe ich hier Menschen, denen es im Vergleich zu anderen weltweit noch relativ gut geht.

Simon Gelzenleuchter in Aktion: Der Rettungssanitäter war einer von rund 40 Teilnehmern beim Basiscamp. Foto: humedica/Corinna Blume

Zum Beispiel Jugendlichen, die aufgrund ihrer Trunkenheit kurzzeitig nicht mehr laufen können, aber nach ein paar Stunden gehen sie wieder nach Hause. Ich mag meinen Beruf, aber mir liegen auch die Menschen auf dem Herzen, die keine Möglichkeit haben, schnell den Notarzt anzurufen, obwohl der dringend helfen müsste.

Zurück zum Basistraining: Wie lief das überhaupt ab?

Von der ersten Minute an ging es richtig los: Alle Teilnehmer wurden Sechser-Gruppen zugeordnet. Die erste Aufgabe für jedes Team war, acht Zelte aufzubauen. Dabei haben wir unser Wir-Gefühl direkt mit aufgebaut, auch der Spaß-Faktor war sofort da. Mein Team war übrigens das Schnellste. Tja, und dann mussten wir noch mehr als diese acht Zelt aufbauen. (lacht)

Wir haben viele Grundlagen gelernt, wie man im Ausland mit einer Katastrophe und möglichen Situationen und Gefahren umgeht. Ich fand es gut, dass sich Theorie und Praxis beim Training ergänzt haben. Dadurch weiß ich, dass das, was ich lerne wichtig ist.

Außerdem hat es mich ermutigt, ein Ergebnis zu sehen: Wir haben zum Beispiel eine Pressekonferenz durchgespielt. So etwas habe ich noch nie gemacht, aber, wenn man es übt und Ratschläge bekommt, klappt es trotzdem.

Gibt es Aufgaben bei einem möglichen Einsatz mit humedica, vor denen Du Respekt hast?

Ja, Respekt ist das richtige Wort. Ich habe keine Angst, aber ich betrachte es zum Beispiel als große Herausforderung, einem Team gerecht zu werden, egal ob als Leiter oder Mitglied. Neue Menschen oder unvorhersehbare Situationen fordern ein hohes Maß an verantwortlichem Handeln.

Gibt es etwas, dass Du besonders an humedica schätzt?

Ich teile den christlichen Hintergrund und die daraus resultierende Motivation der Organisation. Das Vertrauen auf Gott und sein Handeln ist die Basis jeder Hilfe. Das sagte der Geschäftsführer Wolfgang Groß, als er am Anfang sehr persönlich von der Geschichte humedicas erzählte.

Ein funktionierendes Team ist wesentliche Voraussetzung für einen guten Katastropheneinsatz. Foto: humedica/Corinna Blume

Auch die anderen Mitarbeiter haben von ihren Erfahrungen berichtet. Unverblümte Aussagen über die Arbeit und mögliche Gefahren oder Probleme! Dadurch wirkt die gesamte Arbeit transparent. Es zeigt auch, wie strukturiert die Organisation von Einsätzen ist. Ich habe den Eindruck, dass Zeit und Arbeitskraft bestmöglich genutzt werden.

Es gibt klare Arbeitsanweisungen von humedica und gleichzeitig wird Selbstständigkeit in der Ausführung erwartet. Das ist herausfordernd, besonders wenn man so etwas noch nie gemacht hat. Aber es ist toll, dass die Mitarbeiter uns immer wieder ermutigt haben, sich darauf einzulassen, aber gleichzeitig helfend zur Seite stehen.

Was hast du gelernt beim Basistraining?

Helfen ist einfacher, als ich dachte. Ja, es klappt innerhalb von kurzer Zeit ein Notfall-Camp mit einem fremden Team aufzubauen. Das haben wir ja gemacht. Das ist die technische Seite. Wichtiger daneben ist jedoch die persönliche Seite.

Es hieß beim Training, folgende Punkte seien wichtig: Charakter, Teamfähigkeit und Kompetenz. Das hat mich beeindruckt. Die Kompetenz ist nicht unwichtig, aber wichtiger ist der Charakter des Helfenden. Das hat mir gezeigt Prioritäten zu setzen.

Natürlich weiß ich, wie wichtig es ist, das richtige Know-How zu haben, aber wichtig ist dabei genauso im Team arbeiten zu können. Das kann man alles üben. Zum Beispiel kann ich das auch in meinem Job im Rettungsdienst trainieren.

Wie kannst Du Dich im Alltag auf einen möglichen humedica-Einsatz vorbereiten?

Als Rettungsassistent bin ich meistens vor dem Notarzt am Ort. So schnell wie möglich muss ich feststellen, was mit einem Patienten los ist und, wie ich erste Hilfe leiste. Das ist vergleichbar mit einer Katastrophe: Eine Art Notfall, bei dem der Ersteindruck eines Betroffenen ebenso zählt.

Oder ich kann meinen Umgang mit Kollegen bewusster leben, indem ich uns als Team verstehe und nicht nur als Zweckgemeinschaft von Menschen, die zufällig den gleichen Beruf haben. Oder ich kann üben, im Alltag geduldiger zu sein, Stresssituationen besser aufzulösen oder zu vermeiden.

Das ist nichts, was ich früher nicht gemacht hätte, aber nach diesem Training werde ich schwierige Situationen bewusster wahrnehmen. Ich will sie nicht als Problem sehen oder als nervige Hürden, sondern als sinnvolle Übung. Das peppt meinen Alltag irgendwie auch auf.

Vielen Dank für das Gespräch. Dir, lieber Simon, alles Gute für Deinen Berufsalltag und mögliche humedica-Einsätze.

Nach stürmischem Beginn schien am Ende des Camps die Sonne über den Teilnehmern. Foto: humedica/Corinna Blume

Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen.

Den Browser jetzt aktualisieren×