Bangladesch: Gespenstische Stille in über endlosen Wasserflächen - humedica-Team arbeitet intensiv - neue Flutwelle bedroht das Land

von Dr. Markus Hohlweck/SRI, 08.06.2009

Gespenstische Stille liegt über den endlosen Wasserlandschaften, durch die Babul, mit seinem Kind auf dem Arm und seine Frau waten. Die Spuren die der Zyklon "Aila" auf der bisher von Deichen umgebenen Insel Gabura im Süden Bangladeschs hinterlassen hat, sind auch noch zwei Wochen nach dem verheerenden Tropensturm noch überall zu spüren. Und vor allem zu sehen. Unterdessen bedroht eine weitere Flutwelle sowie Monsunregen das Land.

Die Einsatzgebiete des Teams sind nur per Boot erreichbar. Foto: humedica/Dieter Schmidt

Wo vorher reges Leben herrschte und etwa 18.000 Menschen lebten, stehen jetzt nur noch wenige Hütten auf der Deichkrone, die den Fluten widerstehen konnten, fast alle Unterkünfte sind zerstört.

Menschen bewegen sich langsam, wie in Trance, durch eine überflutete Geisterlandschaft, bemüht ihren täglichen Lebensunterhalt zu sichern und die Verteilungsstation für Reis und Trinkwasser irgendwie zu erreichen. Der Schockzustand ist auch für uns spürbar. Allein hier verloren etwa 120 Menschen ihr Leben

Unser Team fährt zusammen mit den lokalen Mitarbeitern unserer Partnerorganisation KOINONIA und unserer medizinischen Ausrüstung auf einem Fischerboot durch die Reste der weiterhin nahezu komplett überfluteten Insel im tiefen Süden von Bangladesch.

Die schützenden Deiche wurden von "Aila" nahezu völlig zerstört und können auch erst nach Ende der jetzt beginnenden viermonatigen Regenzeit im Oktober erneuert werden. Bis dahin wird die Insel durch die Flut der täglichen Gezeiten wahrscheinlich weitgehend unbewohnbar bleiben, die Reisfelder durch die permanente Salzwasserüberflutung unbestellbar sein, das Trinkwasser durch die Salzbelastung ungenießbar.

Das bedeutet, dass den dort lebenden Menschen die Lebensgrundlage komplett entzogen wurde und sie vor dem Nichts stehen. Auch die medizinische Versorgung ist heute noch, zwei Wochen nach der Katastrophe, stellenweise völlig zusammengebrochen.

Dr. Markus Hohlweck, Internist aus Bonn, half bereits 2007 nach dem Zyklon "Sidr" in Bangladesch. Foto: humedica/Dieter Schmidt

In den von uns bisher angesteuerten "Orten", oder besser gesagt noch aus den Fluten herausragenden vereinzelten Gebäuden, zeigten sich bei rund 110 täglich versorgten Patienten, die durch die Trinkwasserverschmutzung hervorgerufenen Magen- und Darmerkrankungen mit zum Teil hohem Fieber, massivem Flüssigkeitsverlust und Kreislaufzusammenbrüchen. Außerdem versorgten wir viele Patienten mit meist massiv infizierten Wunden sowie pulmonalen Infektionen.

Neben aller Medizin fühlt man die Dankbarkeit der Menschen: Aber auch wenn hin und wieder ein Lächeln über ihr Gesicht huscht, ist die Traurigkeit nach dem erlittenen Trauma und dem Verlust von Angehörigen allgegenwärtig.

Trotz aller täglichen Strapazen spüren alle im Team wie wichtig und erfüllend die Aufgabe ist, die uns hier auch in den nächsten Tagen erwartet: Konkrete Hilfe zu leisten und Hoffnung zu spenden.

humedica erbittet dringend gezielte Spenden für die Nothilfe in Bangladesch.

humedica e. V.
Stichwort "Zyklonhilfe AILA"
Konto 47 47
BLZ 734 500 00
Sparkasse Kaufbeuren

Bitte spenden Sie auch online für die Behandlung der Überlebenden dieses furchtbaren Unwetters. Vielen herzlichen Dank für jede Form der Unterstützung.

Viele Grüße und ein herzliches Dankeschön im Namen des gesamten Teams.

Ihr Dr. Markus Hohlweck

Das humedica-Team arbeitete bisher auf der südlich gelegenen Insel Garbura, weitere Einsatzgebiete werden in den kommenden Tagen erreicht. Kartographie: reliefweb.org

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