Arbeiten im Niger: Theorie und Praxis nicht nahe beieinander

von Ilias Nazzal/SRI, 14.12.2009

Ilias Nazzal arbeitet für zwei Monate ehrenamtlich als medizinisch-technischer Assistent in der humedica-Klinik Kollo im Niger. Seine Erfahrungen dokumentieren einmal mehr den spannenden Alltag des Teams im Einsatz für Menschen in Not.

Lehren und lernen

"Fofo" schallt es aus allen Winkeln der Klinik in Kollo sobald man einen Fuß hineinsetzt und es kann durchaus eine Weile dauern bis man jeden begrüßt, die Hand geschüttelt und sich um seine Gesundheit und Familie erkundigt hat.

Illias Nazzal engagiert sich als medizinisch-technischer Assistent in der humedica-Klinik Kollo (Niger). Foto: humedica

Es ist durchaus eine Alternative zu dem Klinikalltag in Deutschland und auch eine der Gesten, die ich mit nach Hause nehmen werde. Natürlich mit der Gefahr, sich fragende Blicke einzufangen, was denn genau im Niger passiert bei einer derart fröhlichen und ausgelassenen Stimmung am Morgen.

Meine Aufgaben als medizinisch-technischer Assistent (MTA) hier im Niger betreffen vor allem die Einarbeitung des nationalen Personals; um genau zu sein Mariama, die heimische MTA. Außerdem bin ich verantwortlich für die Inbetriebnahme des Photometers, zur Bestimmung von klinisch-chemischen Parametern, wie etwa der Blutglukose oder der Bilirubinwerte, und eines Hämatologie-Analyser zum Erstellen von Blutbildern.

Mein persönlicher Alltag sieht dann so aus, dass ich die unterschiedlichen Messungen erst auf ihre Tauglichkeit überprüfe bis ich sie anschließend mit Mariama zusammen durchführe und letztlich dann im Routinealltag einsetze.

Aber auch hier liegen Theorie und Praxis natürlich nicht nahe beieinander, was manchmal eine verzweifelnde Wirkung haben. Aber dank eines tollen Teams, sowohl das nationale wie internationale, wird man schnell wieder aufgefangen und auf die Beine gebracht.

Zwei Monate lehren, lernen und wichtiger Teil eines guten Teams sein. Foto: humedica

Schließlich kann man nur gute Arbeit leisten wenn man sich selber wohl fühlt, was bei mir durch dieses Team auf jeden Fall gegeben ist und worauf, diesen Eindruck habe ich bisher von humedica gewinnen können, auch immer großen Wert gelegt wird.

Natürlich bringe ich mich auch in den Routinealltag ein, denn neben Lehren ist das Lernen für mich hier mindestens genau so wichtig, soviel Egoismus muss dann schon sein.

Da Niger ein Malaria-Endemie Gebiet ist, kann man sich vorstellen, dass die Diagnostik dieser leider sehr verbreiteten Parasitose einen Schwerpunkt der labortechnischen Arbeit hier darstellt. Es ist auch durchaus nicht selten, das zehn von zehn Untersuchungen positiv ausfallen.

Darüber hinaus sind Urin- und Stuhlproben die am häufigsten zu untersuchenden Materialien, hier auch aufgrund von Erkrankungen durch Parasiten wie etwa der Blasenschistosomie oder Ascariden.

Insgesamt bin ich auf jeden Fall sehr zufrieden, die Reise hier in den Niger angetreten zu haben, Erfahrungen sammeln zu können und Menschen, die oft am Existenzminimum leben, eine medizinische Untersuchung und im besten Falle natürlich, die Befreiung von gesundheitlichen Beschwerden zu ermöglichen.

Viele liebe, vorweihnachtliche Grüße in die Heimat, an das humedica-Team und alle Menschen, die sich die Mühe machen, Gutes zu tun.

Ihr
Ilias Nazzal

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