humedica-Ärzteteam in Äthiopien: Strom der Patienten nahm kein Ende

von Dietmar Köthnig, 31.07.2009

Für die Kinderärztinnen Dr. Zuzana Korinekova und Dr. Christina Reiserer, Krankenschwester Inna Warkentin, Anästhesistin Dr. Gilda Bickert und Koordinator Dietmar Köthnig stand im Juni eine weite Reise an. Ziel des engagierten humedica-Teams war aber weniger ein schickes Urlaubshotel als vielmehr eines der ärmsten Länder unserer Erde: Äthiopien. Dietmar Köthnig erinnert sich.

Unser Einsatz war in diesem Jahr in der Gegend um Hossanna, etwa 300 Kilometer südlich der Hauptstadt Addis Abeba geplant. Eine Hügellandschaft , die auf den ersten Blick ansprechend grün ausschaut und mit vielen Häusern einherkommt; genau so habe ich mir Afrika immer vorgestellt. Doch der gute Eindruck entpuppte sich schnell als oberflächlich. Das Gebiet ist übervölkert und trotz grüner Wälder und Felder regieren Hunger und Unterernährung.

Dieses engagierte Team trotzte allen widrigen Umständen und Schwierigkeiten in Äthiopien. Foto: humedica

Mein Freund Takele wurde in dieser Region geboren und es war ein wichtiges Anliegen für ihn, seinen Landsleuten zu helfen. So bereisten wir im Vorfeld des Einsatzes das Gebiet, um den Einsatz möglichst gut vorzubereiten und herauszufinden, an welchen Orten medizinische Hilfe am nötigsten wäre.

Unser eigentlicher Einsatz begann reibungslos: Das Team erreichte Addis Abeba pünktlich und passierte den Zoll ohne Probleme. Nach einem intensiven Austausch in unserer Unterkunft und dem Verpacken der Medikamente ging es am nächsten Morgen los in Richtung Süden nach Angacha, wo wir ein kleines Hotel beziehen konnten. Am ersten Behandlungstag fuhren wir nach Bucha, einem Ort knappe acht Kilometer von unserer Unterkunft entfernt.

Hier stand uns eine kleine Gesundheitsstation zur Verfügung. Die Klinik nebenan war noch nicht nutzbar, da es Probleme mit dem Baubetrieb gab. So begannen wir unsere medizinische Behandlung. Lokale Gesundheitshelfer übersetzten für uns und erläuterten den Patienten die richtige Einnahme der Medikamente. Darüber hinaus unterstützten sie uns bei der Registrierung und dem geordneten Behandlungsablauf .

Von uns nicht weiter beachtet, kam am frühen Nachmittag ein Auto und zwei Männer sprachen mit den Leitern der Gesundheitsstation. Als wir unsere Behandlungen beendet hatten und wir mit den lokalen Mitarbeitern den nächsten Tag planen wollten, erklärten die uns, dass wir hier unsere Arbeit nicht fortsetzen könnten, da dies von der übergeordneten Gesundheitsbehörde untersagt worden sei.

Zurück in Angacha trafen wir den Kreisleiter, mit dem wir den Einsatz im Vorfeld besprochen hatten. Er erzählte uns, dass er alle Informationen weitergegeben und auch von höherer Stelle die notwendige Erlaubnis bekommen hatte. Kompetenzstreitigkeiten innerhalb der Gesundheitsbehörde führten aber jetzt dazu, dass unsere Hilfe sofort beendet werden musste; nicht nur in Bucha, sondern an den anderen geplanten Orten auch. Nun musste der Einsatz reorganisiert werden.

Behandlung unter freiem Himmel: Nicht nur in Afrika typisch für humedica-Einsätze. Foto: humedica

Zunächst fuhren wir nach Shashemene. Hier untersuchten wir am folgenden Tag die Kinder der Schule, die Takeles Gemeinde angegliedert ist. Er hatte unterdessen einen befreundeten Pastor in Arsi Negele kontaktiert, einem Ort etwa 30 Kilometer nördlich von Shashemene. In seiner Gemeinde behandelten wir an drei weiteren Tagen die Kinder seiner Schule und Menschen, die zu den Ärmsten des Ortes gehörten. In einem Seminar bekamen 20 Mitarbeiter der Gemeinde Informationen über Hygiene, Aids und einige Gesundheitsthemen.

Unterstützend erhielten sie das Buch Wo es keinen Arzt gibt in ihrer Landessprache, versehen mit dem Hinweis, anderen Menschen mit ihrem Wissen zu helfen.

Für den letzten Teil unseres Einsatzes hatte ich Pastor Samuel aus Awassa kontaktiert. Während wir in Arsi Negele behandelten, bereitete er zwei weitere Einsatzorte in Sidamo vor. Wir behielten unser Quartier in Shashemene und fuhren zuerst zweimal nach Tschawa, einem Ort in den Bergen nach Awassa. Auch hier konnten wir ein Training für 25 Frauen durchführen, die dann als Multiplikatoren in ihrem Umfeld wirken sollen.

Der letzte Behandlungstag in Burkito zeigte einmal mehr den immensen Bedarf an medizinischer Versorgung. Der Strom der Patienten nahm kein Ende. Sie warteten teilweise für Stunden geduldig bis sie an der Reihe waren. Und doch blieben einige enttäuscht zurück, denn die Zeit reichte am Ende nicht, um alle bedürftigen Menschen behandeln zu können.

Der Einsatz bestätigte noch einmal wie gut es ist, über funktionierende Kontakte in Äthiopien verfügen zu können, insbesondere mit Kirchengemeinden. Außerdem ist es gut, die Behandlungen in oder nahe einer Gesundheitsstation durchzuführen und wenn möglich Fachkräfte als Übersetzer zu haben. Sie kennen die lokalen Krankheitsbilder und ihre Behandlung am besten, die Ärzte können von diesem Wissen profitieren und Patienten können zur Weiterbehandlung an die Gesundheitsstation verwiesen werden.

Auch das von uns angebotene Training war eine gute Ergänzung zur Hilfe und auch die angesprochene Fachliteratur wurde dankbar von den Studenten angenommen. Wir können Kliniken und Krankenhäuser nicht ersetzen, aber auch diesmal bekamen Menschen medizinische Hilfe, die dringend auf diese angewiesen waren. Ein guter Beitrag für Nächstenliebe in Aktion.

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