Wenn der Regen kommt bringt er Leben, Lachen und Zuversicht

von SRI/Ben Stam, 28.05.2008

Wie oft ärgern wir uns über Regen? Immer? Wahrscheinlich meistens! Im afrikanischen Niger ereignete sich vor wenigen Tagen ein für uns unvorstellbares Schauspiel: Nach monatelanger Dürre kam ein gewaltiger Regen. Ben, Student und Sohn eines Pastors, mit dem humedica zusammen arbeitet, schildert seine Eindrücke von diesem Moment in bewegenden Worten.

"Hallo an Alle,

der große Regen kam vergangene Woche… und was für ein Regen das war. Am Dienstagabend gegen 19 Uhr saß ich in meiner Wohnung und eigentlich war es noch recht hell draußen. Plötzlich aber hatte ich das Gefühl, als hätte jemand eine Decke über das Haus gezogen. Die Fenster waren verdunkelt und ich konnte kaum erkennen, was sich vor mir abspielte. Ich schnappte mir meine Kamera und rannte vor das Haus. Was ich sah, waren dicke Schwaden aus Staub und Sand in der Luft. Der Wind peitschte und der Sand drang in jede Ritze.

Der Student Ben Stam im Regensturm in Niger. Die Farbe des Bildes wurde nicht nachbearbeitet, sondern zeigt durch den Wind aufgewirbelten roten Sand. Foto: Ben Stam

Ich verriegelte alle Türen und lief zum Haus meiner Nachbarfamilie, den Bankes. Vier von ihnen waren bereits auf dem Weg, um die Show zu beobachten. Der Himmel blieb dunkel, aber weil der Sand und Staub in Niger hellrot sind, verwandelte sich der Himmel von Blau in Orange, dann in dunkles Rot und kurz vor Ausbruch des Regens in Schwarz. Der peitschende Sturm blies den Sand überall hin, auch in unsere Augen und unseren Mund.

Als der Himmel langsam schwarz wurde, hatten wir ein paar Tropfen Regen gespürt. In diesem Moment wussten wir, dass der große Regen unmittelbar bevorstand. Wir konnten die Kids auf den Straßen schon erwartungsfroh schreien hören. Gemeinsam mit meinem Freund Collin lief ich auf die Straße, auf der Suche nach den Jugendlichen. Noch während ich Collin zurief, es wäre seltsam, dass der große Regen noch nicht begonnen hatte, konnte ich eine regelrechte Regenwand direkt vor uns sogar hören.

Als uns die ersten Tropfen ins Gesicht trafen, fühlte es sich an, als würden wir schnell geohrfeigt. Immer wieder. Das war der größte Regen, der mir in meinem Leben jemals begegnet ist. Ich konnte nichts mehr sehen und lief auf die schreienden Kinder zu, die ich nur hörend wahrnahm.

Dieser starke Regen dauerte etwa eine halbe Stunde an, danach regnete es in gemäßigter Form rund drei weitere Stunden. Ich war völlig erstaunt über den Effekt dieses ersehnten Regens auf die Psyche der Menschen und die generelle Stimmung.

Diese Spannung hatte sich durch das ganze Semester gezogen. Alle waren verschwitzt, klebrig und sehr schlecht gelaunt. Nun stand jeder auf den Straßen, um im Regen zu spielen, auch die Erwachsenen. Ich habe sogar einen Hund gesehen, der es sich im Regen bequem gemacht hatte. Wenn der erste Regen gefallen ist, läuft der Rest des Jahres für alle wesentlich entspannter."

Frieden und Segen,
Ben Stam

Von Blau verwandelte sich der Himmel in Orange, dann in dunkles Rot und kurz vor dem erlösenden Regen schließlich in Schwarz. Foto: Ben Stam

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