Tagebuch aus Afrika_Teil 2: Familienausflug, Gottesdienst und Hochzeit

von Simone Winneg/Saskia Hankel, 27.08.2008

Saskia Hankel bleibt für knapp zwei Monate, Simone Winneg gar ein halbes Jahr: Die beiden jungen Frauen sollen als Koordinatorinnen im von humedica unterstützten Klinikprojekt in Kollo (Niger) arbeiten. In einem Tagebuch lassen sie uns in unregelmäßigen Abständen an ihrem afrikanischen Alltag teilhaben.

"Could it be love?", singt Bob Marley, während wir am Samstagnachmittag auf der Terrasse vor unserem Haus in Niamey auf Holzstühlen aus Stöcken sitzen und die vergangene Woche Revue passieren lassen. Es ist "kühle" 30 Grad warm, bedeckter Himmel, also genau die richtige Witterung, um die warme Fliesjacke rauszuholen… zumindest für die lokale Bevölkerung.

Familienausflug nach Kollo am Samstag, 16. August 2008

Die Krankenschwester Saskia Hankel bleibt für zwei Monate in Niger. Foto: humedica

Zum ersten Mal haben wir unser (hoffentlich baldiges) neues Zuhause in Kollo auch von innen gesehen. Wir waren angenehm überrascht von der guten Ausstattung, besonders von den Badezimmern: echte Toiletten, echte Waschbecken, echte Duschen... Also quasi ein echtes Badezimmer.

Wir haben Ventilatoren in jedem Zimmer und wir haben so viel Platz: zwei Badezimmer, Küche, drei Zimmer und einen Abstellraum. Eine Terrasse vor dem Haus wird wohl unser hauptsächlicher Aufenthaltsort sein, bei den Temperaturen.... Renate hat mit uns gedanklich schon die gesamte Wohnung eingerichtet: hier ein Sofa, da ein Regal, dort Stühle und Tisch. Platz für ein Büro... Wo kommt die Waschmaschine hin?

Wir können es kaum erwarten, obwohl der Trubel der Familie Seydou hier in Niamey uns bestimmt fehlen wird. Also zumindest der Trubel, den wir hier verursachen: Yacouba schaut uns manchmal mit großen Augen an, wenn wir mal wieder mit den Kindern im Wohnzimmer tanzen, Fangen oder Verstecken oder Einfrieren oder Ochs-am-Berg spielen, Tiere nachmachen und einfach nur lebendig das nicht alltägliche Tagesgeschehen berichten…

Afrikanischer Gottesdienst am Sonntag, 17. August 2008

Als wir Renate fragten, wie hier die Gottesdienste gestaltet sind, meinte sie nur, wir sollten uns überraschen lassen, aber eine Flasche Wasser mitnehmen, denn die Messe kann hier schon mal vier Stunden dauern. Voller Spannung und Vorfreude fuhren wir alle gemeinsam zur Kirche. Wir hatten unsere schönsten Kleider an, aber wenn man nur zwei hat, fällt die Auswahl nicht so schwer.

Als wir ankamen wunderten wir uns: ist das ein Gottesdienst oder sind wir auf einer Party gelandet? Der kleine Raum war brechend voll mit Menschen aus 13 unterschiedlichen Stämmen. Jeder Stamm hatte die Möglichkeit nach vorne zu kommen und ein christliches Lied in ihrer Stammessprache zu singen. Alle anderen stimmten ein, klatschten in die Hände und tanzten. Trommeln wurden geschlagen, ein kleines Keyboard und eine Bassgitarre begleiteten die Lieder.

Ein kleiner Junge kam ganz alleine nach vorne und sang wunderbar schief. Wir standen daneben und hatten Tränen in den Augen, so rührend war der Kleine. Die Predigt wurde in fünf verschiedene Sprachen übersetzt, sodass jeder ein wenig verstehen konnte, worum es ging: Dass Gott uns liebt und dass wir so leben sollen, wie Christus gelebt hat. Und mit gutem Beispiel voran gehen. Eine einfache Botschaft, die uns dennoch tief berührt hat.

Hochzeit am Sonntag, 17. August 2008

Gleich im Anschluss an den Gottesdienst waren wir zur muslimischen Hochzeit von Yacoubas Neffen eingeladen. Eine riesige Feier, bei der sich die Männer draußen im Garten aufhielten und die Frauen im etwas kühleren Inneren des Hauses untergebracht waren. Alle saßen auf dem Boden, es wurden Neuigkeiten ausgetauscht und gemeinsam von großen Platten mit den Händen Reis, Gemüse und Fisch aus dem Niger gegessen. Die Braut und ihre Familie waren auf einer getrennten Feier.

Anders als es bei uns der Brauch ist, war die Braut von allen Frauen die am wenigsten Prunkvolle und machte einen unglücklichen Eindruck. Wie wir erfuhren, betrauert die Braut am Tag ihrer Hochzeit den Weggang aus ihrer Familie und daher wird von ihr erwartet, dass sie sich nicht der allgemeinen ausgelassenen Stimmung anschließt.

In der nächsten Folgen erzählen wir von unseren ersten Arbeitstagen und einem ersten Zusammentreffen mit dem medizinischen Koordinator der humedica-Klinik in Kollo, Dr. Idi.

Bis dahin senden wir viele herzliche Grüße aus Afrika an alle und Gottes Segen
Saskia und Simone

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