Tagebuch aus Afrika_Teil 1: Erste Tage und eine erste Bilanz

von Simone Winneg/Saskia Hankel, 18.08.2008

Wir sind gut angekommen, und haben den Mittwoch fast komplett verpennt (Verabschiedung um kurz nach Fünf zu einem kurzen Nickerchen, das erst abends gegen acht Uhr zu Ende war...).

Ansonsten war unser erster Tag im Niger untypisch für humanitäre Hilfe dem Shopping gewidmet. Und zwar traditionelle Kleidung, tolle, afrikanische Baumwollstoffe, aus denen ein komplettes Outfit gefertigt wird, also ein langer Rock mit Oberteil.

Simone Winneg (mitte) und Saskia Hankel (rechts) fühlen sich bereits nach wenigen Tagen in Niger heimisch. Foto: humedica

Sogar in unterschiedlichen Formen und Farben, Schnitten und Designs, wahlweise auch mit Accessoires. Wir kauften alles im "Women Center", wo Frauen dazu ermutigt werden, Lesen und Schreiben zu lernen und wo ihnen beigebracht wird, Kleider zu schneidern und diverse andere Schmucksachen herzustellen, die den Traditionen ihrer Stämme entsprechen.

Danach ging es auf den lokalen Markt, wo es von Gemüse über Gewürze, Hirse und Fleisch, bis Klamotten und Fahrradzubehör so gut wie alles gibt, was gerade Saison hat... Renate, Carmen und wir beide haben dort für die beiden nächsten Tage eingekauft.

Dann stand Kochen auf dem Programm, Essen und schließlich noch einmal einkaufen; dieses Mal eher nach Art der europäischen Welt. In einem Supermarkt, der unseren zum Verwechseln ähnlich sieht und extrem teuer ist.

Irgendwie komisch, wenn man weiß, dass andere Leute nur eine Straßenecke weiter ums Überleben kämpfen und in unmittelbarer Nähe gibt es sechs verschiedene Sorten Katzenfutter, Putzmittel in allen Farben, französischen Käse und Weintrauben für 10 Euro pro Kilo. Das wirkte schon sehr irreal, besonders wenn man weiß, dass Produkte aus solchen Geschäften für kaum einen erschwinglich sind.

Niger liegt im Nordwesten Afrikas. Kartographie: Reuters/alertnet.org

Donnerstag ging es dann schon früh morgens mit unserem lokalen Chef Yacouba ins Büro: Leute kennenlernen, Fahrzeuge begutachten (alle mit humedica-Aufkleber) und dann anschließend auf den Weg in zwei Projekte: Innerhalb von Niamey wurde ein Compound ausgebaut, der Nomaden beheimatet, die wegen der Dürreperiode in die Hauptstadt kommen und dort vor dem Nichts stehen.

Hier können sie mit ihren Familien leben, haben Wasser und ein wenig Hygiene und manchmal auch die Möglichkeit, Schulbildung zu erlangen. Auf rund 100 Quadratmetern leben hier bis zu 11 Familien, die nicht wissen, wohin sie sonst gehen sollen.

In zwei Dörfern, die etwa 30 Minuten von Niamey entfernt liegen, besuchten wir Zentren, die die lokale Bevölkerung einerseits mit Ziegen, andererseits mit diversen Aktivitäten wie Gottesdienste, Sport, Trainings etc. unterstützen. Die Menschen leben außerhalb von Niamey meist in den traditionellen afrikanischen Rundhütten, mit Stroh bedeckt und Lehm abgedichtet.

Viele Leute trinken das schmutzige Wasser aus dem Niger und erkranken daraufhin schwer. Mit dem Bau tiefer Brunnen versuchen die Mitarbeiter in diesem Projekt, dem entgegen zu wirken. Bereits das Baden im Niger birgt ein hohes Risiko für die Bevölkerung: Würmer und Bilharziose.

Gearbeitet haben wir auch schon: Nach den beiden Dörfern führte unser Weg in die Klinik nach Kollo. Tief beeindruckt und mehr als positiv überrascht, betrachteten wir die Ergebnisse harter Arbeit in den vergangenen Monaten.

Die humedica-Klinik in Kollo hat ein gutes medizinisches Niveau und verfügt über entsprechende Möglichkeiten: Foto: humedica

Schwierig zu beschreiben, was da in uns vorging: wir kennen in Afrika nur den Somalia-Standard, also zwei heruntergekommene Räume, mit Gittern an den Fenstern und hölzernen Verschlägen als Türen. Und hier ist alles so anders: Verglaste Fenster, Wände und Böden wegen der Hygiene gefliest. Deckenleuchten, separate Toiletten und Duschräume, in jedem Raum eine Waschvorrichtung.

Eine Einrichtung und nicht nur Plastikstühle und -tische, Ventilatoren an den Decken; ein Warteraum, ein vernünftiger Eingang mit Registrierbüro, eine Ausgabemöglichkeit durch ein Fenster für die Medikamente und allem voran: Elektrizität und Wasser, zumindest alle Apparaturen, auch wenn noch nichts davon fließt.

Leider ist der Container mit verschiedenen Gütern noch immer nicht in Niamey eingetroffen, wird aber für Montag erwartet. Yacouba und Renate kümmern sich rührend um uns, beantworten alle unsere Fragen mit höchster Geduld. Wir fühlen uns jetzt schon wie ein Teil ihrer Familie. Morgen treffen wir Dr. Idi und hoffen, weitere Schritte mit ihm besprechen zu können.

Die Bilanz unserer ersten Tage fällt durchweg positiv aus. Wir freuen uns auf die nächsten Schritte, auf einen baldigen Anfang, auf gute, qualitativ hochwertige Arbeit, die den Leuten hier das Leben erleichtern wird.

Alles Liebe und herzliche Grüße aus Niger.
Bis bald,
 
Simone und Saskia

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