Niger: Licht am Ende des Tunnels - Eine kleine Geschichte über Elektrizität in Afrika

von Simone Winneg/SRI, 20.11.2008

Seit Juni haben wir den Elektrizitätsanschluss unserer Klinik in Auftrag gegeben: Die benötigten Materialien aber waren nicht verfügbar und die Arbeiten konnten nicht starten, der Transformator konnte nicht installiert werden. In Afrika leben heißt warten lernen.

Erst Anfang September, also drei Monaten nach Auftragserteilung, konnten wir erste Fortschritte sehen: der Transformator war da. Ein erster Schritt, der Freude hervorrief. Aber nur ein erster Schritt, denn noch fehlte der Stromzähler.

Erst der zweite Stromzähler funktionierte problemlos. Foto: humedica

Was folgte, waren ständige Besuche beim lokalen Vertreter in Kollo, die immer mit den gleichen Versprechungen endeten: "Wir kümmern uns drum, kommen Sie heute Nachmittag wieder oder morgen oder nächste Woche." Wieder Warten. Erst Anfang Oktober wurde ein Zähler beschafft, der allerdings nicht der Richtige war und der nach nur drei Tagen nicht mehr funktionierte. Alles begann von vorne.

Beim zweiten Anlauf benötigte die Firma nur kurze drei Wochen, dann kam tatsächlich unser Zähler: fabrikneu, auf unsere Bedürfnisse programmiert und bis zum heutigen Tag funktionstüchtig.

Aber noch war der Strom nur im Zählerhäuschen: Die Verbindung zur Klinik war noch nicht ausgeführt. Hoffnungsvoll stellten wir uns schon die Lichter in der Klinik vor, ein Großteil der Arbeit war bereits erledigt und auch bezahlt. Wieder hieß es: warten. In Afrika braucht man viel Geduld: immer dranbleiben, immer nachhaken, immer wieder nachfragen und die Leute nerven, bis endlich was passiert.

Und tatsächlich: in der vergangenen Woche kamen sie endlich an und machten sich frisch ans Werk: Raum für Raum wurde kontrolliert, alle Leitungen überprüft, Lampen angebracht. Und wieder war es erstaunlich, wie schnell alles gehen kann, wenn die Arbeit angefangen wird: innerhalb von drei Tagen waren alle notwendigen Arbeiten erledigt.

Doch noch drehte sich nichts, kein Licht leuchtete. Die endgültige Verbindung stand immer noch aus, denn dafür war die Anwesenheit des Chef-Elektrikers von Nöten, dessen Ankunft für Anfang dieser Woche geplant war. Wieder nur eine leere Versprechung? Würden wir wieder warten müssen?

Koordinatorin Simone Winneg (Mitte) ist noch voraussichtlich bis Februar 2009 in Niger. Foto: humedica

Vor wenigen Tagen war ich auf dem Rückweg von Niamey nach Kollo. Ich wunderte mich schon von weitem über die Lichter eines entgegenkommenden Autos, die sich nicht bewegten. In der vollkommenen Finsternis, die sonst in dieser Gegend regiert, kam das Licht näher und mein Erstaunen wurde Meter für Meter größer. Bei der Klinik, am Anfang des 15.000-Einwohner Ortes Kollo angekommen, konnte ich meinen Augen kaum trauen: In hellem Licht erstrahlte die humedica-Klinik.

Licht inmitten der finsteren afrikanischen Nacht. Überwältigt von diesem plötzlichen Fortschritt stieg ich aus und konnte es kaum fassen: So lange hatten wir alle auf diesen Moment gewartet. Nach sechs Monaten gibt es jetzt endlich Licht. Licht überall in der Klinik. Fasziniert betätigte ich Lichtschalter und Ventilator-Regulatoren und freute mich wie ein kleines Kind unterm Weihnachtsbaum über jedes Blinken.

Ein großes Dankeschön an jeden einzelnen Spender von humedica, der diesen Moment ermöglicht hat. Ein Moment voller Glück, voller Enthusiasmus, voller Hoffnung - nicht nur für mich und das Team hier vor Ort, sondern vor allem für die lokale Bevölkerung. Denn all diese Anstrengungen bringen uns ein bedeutendes Stück näher an die endgültige Eröffnung der Klinik.

Näher zu der Möglichkeit, den Menschen hier medizinische Hilfe von hoher Qualität zu bieten, die einen Unterschied zu den meist widrigen Zuständen machen wird - eben ein Licht der Hoffnung im sonst so dunklen Afrika.

Liebe Grüße nach Deutschland.
Eure Simone

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