Sebastian Frank berichtet über die aktuellen Entwicklungen beim Klinikbau in Kollo (Niger)

von SRI/Sebastian Frank, 21.05.2008

Seine deutsche Heimat Biberach hat Sebastian Frank für drei Monate verlassen, um beim von humedica finanzierten Klinikbau in Kollo (Niger) unterstützend Hand anzulegen. Regelmäßig berichtet er von der Entwicklung auf der Baustelle. Heute: Zwischen Hoffen und Bangen, wann kommt der heiß ersehnte Regen?

"Ich habe die ersten Regentropfen gezählt und gespürt, jawohl gezählt, denn viel war es noch wirklich nicht was es geregnet hat. Für etwa vier Minuten hat es ganz leicht vom Himmel getröpfelt, gegen 18.47 Uhr war dann schon wieder alles vorbei - vorerst. Es ist nach wie vor siedend heiß hier, mein mitgebrachtes Fieberthermometer für Notfälle hab ich mittlerweile zum Raumthermometer umfunktioniert.

Viele Räume in der humedica-Klinik in Kollo sind nahezu fertig gestellt. Foto: Sebastian Frank

Das funktioniert in diesen Breitengraden eigentlich ganz gut, das Problem an der Sache ist nur, dass die Skalierung schon bei 42 Grad aufhört. Für Fieberthermometer auch durchaus ausreichend. Für die Tageshöchsttemperaturen im Niger zu dieser Jahreszeit nicht. Aber vielleicht bald, denn ich fühle auch, dass es die letzten Tagen etwas schwüler geworden ist, das lässt bald auf weiteren Regen hoffen und dann vielleicht auch auf etwas kühlere Tage, in denen dann die Quecksilbersäule nicht ganz "auf Anschlag" steht.

Aktuell schätze ich nach wie vor, dass die Bauarbeiten im Innenbereich des Gebäudes Ende dieses Monats abgeschlossen werden können, so dass wir im Juni die Räumlichkeiten des Krankenhauses mit den bisher vorhandenen Hilfsgütern einrichten können. Parallel können die Arbeiten im Außenbereich fertig gestellt werden.

Die Genehmigungsunterlagen für das Krankenhaus wurden in der Zwischenzeit beim zuständigen"Ministry of Health" eingereicht, eine Zustimmung der Behörde wird bis Ende Juni erwartet. Auch ist die Suche nach entsprechendem Personal angelaufen. Manche Sachen hier sind
schon urig: Die erste Bewerbung auf eine "mögliche Stelle" für dieses Krankenhaus wurde bereits hier im zuständigen Office abgegeben, das war vor mehr als 18 Monaten, da hatten noch nicht mal die Bauarbeiten für das Krankenhaus begonnen.

Mit den Fließenarbeiten ist der Innenausbau fast abgeschlossen. Das Gebäude ist in Kürze einsatzfähig. Foto: Sebastian Frank

Etwa sieben Wochen bin ich jetzt schon hier, die erste Hälfte meiner drei Monate ist ungefähr rum, sozusagen Halbzeitpause und Zeit für nen Seitenwechsel. Am Ende so bin ich überzeugt sind die "Gewinner des Krankenhauses" auf jeden Fall die Menschen im Niger hier um Kollo. Regelmäßig erreichen mich Nachrichten aus dem Distrikt über Frauen und Kinder, die während der Geburt gestorben sind, aus unterschiedlichsten Ursachen, eins aber gemeinsam haben. Dass diese Tragödien und Schicksale meist einfach zu verhindern gewesen wären, wenn rechtzeitig gut ausgebildetes medizinisches Personal zur Stelle und entsprechende Räumlichkeiten verfügbar gewesen wären.

Auch hier im Niger haben wir von den Katastrophen in Myanmar und China gehört und dem Elend, dass nach diesen Ereignissen in den verschiedenen Regionen herrscht. Den meisten Menschen, denen ich davon erzähle spürt man deutlich an, dass sie mit den Menschen in den
betroffenen Gebieten mitleiden, besonders weil viele Menschen hier ähnliche Not selbst bereits öfters erfahren haben.

Womit habe ich es denn mehr verdient, dass es in Deutschland die Möglichkeit bzw. den Zugang zu guter medizinischer Versorgung, sauberem Trinkwasser, Bildung und asphaltierten Strassen gibt? Und unser Land in den vergangenen Jahrzehnten von großen Naturkatastrophen weitgehend verschont blieb? Unter diesen Umständen und Gedanken erschließt sich mir die Realität der Gnade Gottes in Jesus ganz neu. Etwas nicht verdient zu haben und es trotzdem zu bekommen. Und so kann und möchte ich das Geschenk der Gnade dankbar annehmen, und auch dankbar sein für alles weitere was ich hier habe. Und auch für alles das was ich nicht habe, vielleicht habe ich es aus dem Grund nicht, weil ich es eigentlich verdient habe…

In diesem Sinne sende ich viele liebe Grüße aus Niger nach Deutschland.

Alles Gute
Ihr
Sebastian Frank"

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