Medizinischer Einsatz in Äthiopien: Im Einsatz für hunderte Menschen in Not

Im zweiten Teil ihres Reiseberichts erzählen Dr. Bettina Höchsmann, Dr. Sabine Bertram-Röpling, Dr. Krystian Jaschik und Irmgard Römpp von den bitteren Nöten vieler Menschen in Äthiopien und wie es möglich ist, 1000 Patienten in zwei Tagen zu versorgen.

Als wir nach Dobe Dena zu unserem dritten Behandlungstag fahren wollten, erwies sich eine Straßenstelle als unpassierbar. Auf der Suche nach einer Alternative, fanden wir eine Kirche der Hiwot Berhan Church, wo sich der Gottesdienst bereits dem Ende zuneigte. Bereitwillig gab man uns die Möglichkeit, von dort aus Menschen medizinisch zu versorgen

Hilfseinsätze wie dieser bringen viele emotionale Momente. Foto: privat/humedica

Nach kurzer Zeit erreichten uns auch unsere Übersetzer und Helfer aus Dobe Dena. Es dauerte nicht lange, da waren die Patienten so dicht gedrängt um uns, dass wir kurz davor waren, die Behandlung abzubrechen. Durch einige Machtworte und die Veränderung der Registrierung gelang es, den Ansturm der Menschen in weitgehend geordnete Bahnen zu bringen und die Behandlung fortzusetzen.

Der Einsatz an unserem letzten Ort Bascha wurde zum Besten. Wir hatten aus den Erfahrungen der vergangenen Tage gelernt und unsere Behandlung angeglichen. In einer Kultur, in der alte Menschen an oberster und Kinder an unterster Stelle innerhalb der Gesellschaft stehen, können wir nicht zuerst die Kinder behandeln, ohne uns Probleme einzuhandeln und unsere lokalen Helfer in Schwierigkeiten zu bringen.

So beschlossen wir, dass ein Arzt nur Männer, ein anderer nur Frauen und der dritte nur Frauen mit Babys und Kindern behandelt. So wurden wir jedem sozialen Status gerecht und konnten nun auch besonders Kleinkinder und Babies sofort behandeln. Diese Strategie erwies sich als voller Erfolg. Die Patienten wurden nach diesen Gruppen vor dem Kirchgelände erfasst, in Schüben eingelassen, warteten im Kirchengebäude und wurden dann dem jeweiligen Arzt zugeteilt.

Lärm und Drängelei blieben aus, alles verlief ruhig und in geordneten Bahnen. Dadurch war es möglich, 1000 Patienten in zwei Tagen zu behandeln. Als vorteilhaft erwies sich auch, dass ein Dolmetscher als Gesundheitshelfer in der Nähe arbeitete und somit einige Patienten zur Nachbehandlung und Betreuung an ihn verwiesen werden konnten.

1000 Patienten in zwei Tagen: Viele Menschen brauchten medizinische Hilfe. Foto: privat/humedica

Die Krankheitsbilder während unseres Aufenthalts waren vielfältig und ähnelten sich weitgehend an den verschiedenen Einsatzorten, auch wenn es Unterschiede gab. So hatten viele Patienten in Bascha Probleme mit Struma, in Dobe Dena fast nicht. Doch an allen drei Orten hatten die Menschen Augenprobleme, Schmerzen aller Art, Würmer, unterschiedliche Arten von Tuberkulose, Malaria, Infektionen und viele andere Beschwerden. In Bascha mussten wir vier Patienten ins Krankenhaus überweisen, darunter ein Baby mit Meningitis und einen Jungen mit einem Augentumor.

Zum Ende des Einsatzes schrumpfte auch der Medikamentenvorrat zusehends. Am letzten Tag ließen wir noch einmal die Schönheit der äthiopischen Bergwelt auf uns wirken. Wir verließen Addis Ababa etwa 90 km in Richtung Norden und blickten in den Canyon bei Debre Libanos. Das Wetter spielte mit, und gab uns eine wunderbare Sicht auf die Felsen und in die Ferne.

Zum Schluß dieses gelungenen Einsatzes bewegte uns dann nur noch die Frage: Warum müssen Flugzeuge eigentlich um 4.30 Uhr morgens starten?

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