Indien: Drei Wochen ehrenamtliche Arbeit im Duncan Hospital

von SRI/Nicolai Härtel, 16.05.2008

Drei Wochen war Dr. Nicolai Härtel (Eppelheim) ehrenamtlich im von humedica unterstützten Duncan Hospital in Indien aktiv. In seinem Bericht beschreibt er sehr eindrücklich seine vielfältigen Erfahrungen dieses besonderen Einsatzes.

"Das von humedica unterstützte Duncan Hospital in Raxaul (Bihar) ist ein kleines Missionskrankenhaus an der nepalesischen Grenze. Um es zu erreichen, muss man von Delhi aus etwa eine Tagesreise mit dem Zug auf sich nehmen. Eine Reise, die einem schon erste tiefere Einblicke in dieses Land und dessen Kultur gewährt.

So braucht man sich beispielsweise nicht wundern, wenn man sich mit vier weiteren Indern eine Sitzgelegenheit für drei Personen teilt, um genügend Platz zu lassen für weitere Leute, die sich unter Umständen hinzugesellen möchten. Das ist Indien.

Ein Blick aus dem Fenster und man wird überflutet von fremdländischen Eindrücken. Ein Affe, der auf einer Bank am Bahnhof sitzt, eine Gruppe von ca. 10-15 Reisenden, die es sich auf dem Dach des öffentlichen Busses bequem gemacht haben, Kinder, die zusammen mit einem Büffel in einem See baden... Auch das ist Indien.

Ein Großteil der Menschen rund um das Duncan Hospital lebt in größter Armut. Foto: Nicolai Härtel

Allerdings sieht man durch das Fenster auch Bettler, die halbverhungert um Almosen bitten, verwahrloste Kinder, Menschen, die in einer aus Müll erbauten Hütte leben... Das ist Indien.

Bihar stellt als ärmster Staat Indiens mit seinen ca. 80 Millionen Einwohnern leider den Brennpunkt dieses Szenarios dar. Zu allem Überfluss wird diese Region einmal jährlich von starken Regenfällen mit zum Teil schweren Überflutungen heimgesucht.

Das Duncan Hospital stellt in diesem Umfeld den vermutlich wichtigsten medizinischen Versorger dar und dies mit einer handvoll Ärzte und Pflegepersonal. Täglich kampiert eine Vielzahl an schwerst kranken Menschen vor dem Krankenhaus, in der Hoffnung bald behandelt zu werden. Diese Menschen leiden zu einem Großteil an Erkrankungen, die uns längstens fremd geworden sind. So ist beispielsweise die Tuberkulose mit all ihren Komplikationen ein weit verbreitetes Problem. Ebenso die Tetanusinfektion nach Bagatelltraumen, Organophosphat-Vergiftungen mit Pestiziden in suizidaler Absicht, der Typhus, die Ruhr und nicht zuletzt die Unterernährung.

Allerdings muss auch die Lepra als ein schwer wiegendes Problem Indiens hier erwähnt werden. Diese Patienten suchen die Klinik gewöhnlich nur an einem Tag der Woche (Donnerstags) aufgrund des gesellschaftlichen Stigmas auf. Sie kommen aus der nahe gelegenen Leprakolonie, die bei schwer wiegenderen medizinischen Problemen vom Duncan Hospital mit betreut wird. Auch dies ist eine der vielen Aufgaben dieses Krankenhauses und es gibt darüber hinaus noch viel mehr zu berichten.

Ärmlichste Hütten, schwierige Lebensbedingungen: Für die Bevölkerung ist das Duncan Hospital ein Zeichen der Hoffnung. Foto: Nicolai Härtel

Sei es über die Chirurgen vor Ort, die mit dem wenigen was ihnen zur Verfügung steht so viel erreichen. Sei es über die Gynäkologen, die täglich mit dem schlimmsten Komplikationen der Frauenheilkunde zu kämpfen haben. Sei es über die Pädiater, die zusammen mit Angehörigen schichtweise intubierte Kinder bebeuteln.

All das ist im Duncan Hospital faszinierend und bitterer Alltag zugleich. Die Menschen dort arbeiten permanent am Rande der Erschöpfung und manchmal darüber hinaus. Dennoch werden sie ihre Arbeit niemals leid. Im Gegenteil sie arbeiten mit Hingabe an den Aufgaben, vor die sie Bihar täglich stellt. Warum das so ist wird einem klar, wenn man in der Krankenhauskapelle in der täglichen Morgenandacht sitzt.

Die gesamte Klinik ist dort versammelt lautstark singend und klatschend zu christlichen Liedern. Auch wenn der gesamte Gottesdienst in Hindi ist versteht man sehr wohl worum es in diesen Messen geht. Das Duncan Hospital ist ein kleines Missionskrankenhaus in Raxaul (Bihar), ein Ort christlicher Nächstenliebe.

Ich werde "Duncan" nie vergessen."

Viele liebe Grüße.
Ihr Nicolai Härtel

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