Hintergrundinformation: Kenianische Konfliktherde

von Steffen Richter, 01.02.2008

Kenia - gelobtes Land oder Armenhaus?

Kenia ist aufgrund seiner landschaftlichen Vielfalt und mannigfaltigen Pflanzen- und Tierwelt eines der meistbesuchten Ferienländer Afrikas. Es ist der Schutzraum aussterbender Tierarten, Großwildparadies in einer einzigartigen Naturlandschaft, ein Land mit ehrfurchtgebietender Weite der leeren Halbwüsten und Trockensavannen, mit grünem Hochland und tropischem Regenwald, mit Vulkankegeln und den ewig schneebedeckten Gipfeln des Mount Kenya, mit riesigen Binnenseen, deren Oberfläche sich wie beim Nakurusee rosa färbt, wenn Millionen von Flamingos dort einfallen, und mit tropischen Traumstränden am Indischen Ozean, die zu den schönsten der Welt gerechnet werden.

Die andere Seite: Einst gelobtes Land weißer Siedler, ist Kenia heute das verfluchte Land eines verarmten Proletariats. Kenia bedeutet Elend der Slums vor den Fassaden des Reichtums in den Städten und der Kulisse von Industrie und Großplantagen in den übervölkerten Hochlandgebieten und an der Küste, ethnisches Chaos, Reservate steinzeitlicher Nomadensippen mit den geheimnisvollen Kulten animistischer Naturreligionen und die puritanische Rechtschaffenheit der britischen Siedler.

Problemfeld Bevölkerungswachstum

Mit seinem gleichbleibend hohen Bevölkerungswachstum hält Kenia trotz eines Familienplanungsprogramms in Afrika einen problematischen Rekord. Immer dichter drängen sich die Menschen in den Gebieten, die sich landwirtschaftlich nutzen lassen, doch das ist in Kenia nur gut ein Fünftel der Gesamtfläche. Hirten- und Bauernstämme befehden sich um Acker- und Weideland. Wer verliert, rodet, um wenigstens das Lebensnotwendigste anpflanzen zu können, die Reste des Regenwaldes und verschärft so die ökologische Krise, die zur ökonomischen wird, sobald dabei Erosion die Böden ruiniert und der "Landhunger" auch vor den devisenbringenden Nationalparks nicht halt macht.
Um diesem Teufelskreis zu entrinnen, zieht die verarmte Landbevölkerung in die Städte. Dort leben die Menschen in Slums - abgenabelt von der Kultur und den Traditionen des agrarischen Lebenszyklus mit seinen Riten, Bräuchen und der alten Weisheit der Naturreligionen, gerissen aus der Stammeszugehörigkeit - in scharfem Kontrast zum offenkundig zur Schau gestellten Reichtum der kleinen schwarzen Oberschicht. Wer seinen Lebensunterhalt nicht als Kleinhändler, Handwerker unter freiem Himmel oder als zeitweilig beschäftigte Arbeitskraft im Dienstleistungsgewerbe bestreiten kann, rutscht schnell in ein Milieu ab, das von Kriminalität, Gewalt und Prostitution gekennzeichnet ist.

Problemfeld: Verschiedene Ethnien

Wo nicht die Not geborene Kriminalität der Armen herrscht, fordert der Tribalismus der etwa vierzig verschiedenen Völker von alters her seine Opfer. Tribalismus bedeutet: unterschiedliche Sprache und unterschiedliche Kultur der Stämme. In Kenia teilen sich die zahllosen Gruppen und Untergruppen in drei große Sprach- und Kulturfamilien: Bantu (Kikuyu, Luya u.a.), Niloten (Luos, Kalenjin u.a.) und Kuschiten. Die fünf größten Völker - die Kikuyu, die Luhya, die Luo, die Kambra und die Kalenjin - stellen nahezu drei Viertel der Gesamtbevölkerung. Die Massai, das wohl bekanntesten Volk Kenias, stellen etwa 1,6 Prozent der Bevölkerung. Aber auch wenn über 60 Prozent der Kenianer Christen sind und neben der geschlossenen Gemeinschaft des Islam (ca. 20 Prozent) der Zauber der animistischen Medizinmänner herrscht, hat die Religion kein einigendes Band zwischen den Völkern schließen können. Ein Kenianer ist in erster Linie seinem Volk verpflichtet, dessen Interessen als Bauern- und Hirtenvolk bei der Landnahme ebenso zu wahren sind wie bei der Vergabe von Posten in Verwaltung und Wirtschaft.

Quellen: muz-online.de/wikipedia.org/auswaertiges-amt.de
Foto Index: hispeed.ch

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