Haiti: Hilfe auf Waisenhaus ausgeweitet

von Katja Weber/SRI, 16.10.2008

Wir sind mit der mobilen Klinik von humedica nicht weit weg von St. Marc, gerade mal 20 Minuten außerhalb der Stadt in Terre Noire. Und doch hat man das Gefühl, eine andere Welt zu betreten, wenn man das Tor zum Gelände des "Maranatha-Waisenhaus" und der "Maranatha-Schule" durchschreitet.

Draußen ist es geschäftig, laut, bunt. Drinnen herrscht eine traurige, gedrückte Stimmung. Wo an anderen Orten die Kinder fröhlich spielen und mit den humedica-Ärzten schäkern, sind hier die kleinen Patienten still und teilnahmslos. Sie schauen groß aus ihren traurigen Augen und lassen die Untersuchung einfach über sich ergehen.

Kein unbeschwertes Aufwachsen: Für viele Kinder im Waisenhaus hatte das Leben bisher überwiegend traurige Momente. Foto: KWE/humedica

"Maranatha" ist ein aramäischer Ausruf aus frühchristlicher Zeit und heißt übersetzt "Unser Herr, komm". Mit dieser ursprünglich als Gruß gebrauchten Phrase verbindet sich die Idee, willkommen zu sein. Mme Esther Orelien, die Leiterin des Waisenhauses und der Schule auf dem Gelände, tut ihr Möglichstes, um den 39 Waisenkindern ein Zuhause zu geben.

Aber ihre Mittel sind beschränkt: 13 Mädchen teilen sich ein Zimmer mit 5 Betten, die 26 Jungen sind im Nachbarzimmer mit 4 Betten untergebracht. Es gibt zwar ein paar weitere Bettgestelle, aber keine Matratzen dafür. Die Kinder sind zwischen zwei und 19 Jahre alt. Jean Shedly ist eines der Mädchen, sie geht mit ihren 14 Jahren in die 6. Klasse.

Die Schule ist öffentlich, dorthin kommen auch Kinder aus der Umgebung. Insgesamt 350 Schüler gehen in die acht Klassen. Aber die Kinder aus dem Dorf spielen nachmittags nicht mit den Kindern aus dem Waisenhaus. Sie bleiben unter sich.

Jean’s Tag beginnt früh am Morgen, pünktlich um 5 Uhr wird sie geweckt. Bis um 8 Uhr die Schule beginnt, hat Jean bereits Geschirr gespült, den Boden gefegt und den jüngeren Mädchen die Haare gekämmt. In den Büschen hängen die Kleider zum Trocknen, die sie selbst gewaschen hat.

Die Versorgung mit Lebensmitteln bedeutet eine enorme Entlastung für das Waisenhaus "Maranatha". Foto: KWE/humedica

Offiziell gibt es dreimal am Tag etwas zu essen, eine Frau aus dem Dorf kocht Reis, Maismehl oder mal Spaghetti. Viel kann es jedenfalls nicht sein, wenn man die abgemagerten Kinder sieht. Ein dünnes, etwa vierjähriges Mädchen aus dem Heim steht in jeder Unterrichtspause und nach Schulschluss mit sehnsüchtigen Augen vor dem kleinen Verkaufsstand mit Keksen und Snacks, den eine alte Frau aufgebaut hat.

Jean hat einen Wunsch für die Zukunft: Sie möchte die Schule beenden und dann Krankenschwester lernen. Weil es ihr Freude macht, sich um andere zu kümmern.

humedica hat sich entschieden, dem Waisenhaus nach den ärztlichen Untersuchungen und vor Ort ausgegebenen Medikamententherapien noch weiter zu helfen: Für vier Wochen wurden Lebensmittel geliefert, unter anderem Reis, Bohnen, Öl und Milchpulver.

Außerdem wird derzeit geprüft, ob mit Hilfe von Spendengeldern aus Deutschland weitere Betten und Matratzen angeschafft werden und die desolaten Latrinen ausgebaut werden können. Damit aus "Maranatha - Sei willkommen" mehr als ein Schriftzug auf dem Torschild wird.

Unsere Hilfe wird weiterhin dringend benötigt. Bitte unterstützen Sie unseren Einsatz in Haiti mit einer gezielten Spende.

humedica e. V.
Stichwort "Fluthilfe Haiti"
Konto 47 47
BLZ 734 500 00
Sparkasse Kaufbeuren

Bitte spenden Sie auch online für die Menschen in Haiti. Vielen herzlichen Dank für jede Form der Unterstützung.

Kinder stehen im Fokus unseres Einsatzes in Haiti. Foto: KWE/humedica

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