"Felsbrocken als Kanonengeschosse"

von SRI/Nils Stilke, 10.06.2008

Als Koordinator unterstützt Nils Stilke die gemeinsamen Hilfsmaßnahmen von humedica und Operation Blessing China zugunsten der Erdbebenopfer in der Region Sichuan. In seinem aktuellen Bericht skizziert er die weitere Entwicklung der Hilfe, wird aber immer wieder mit den schrecklichen Konsequenzen des Bebens konfrontiert.

"Wie Kanonengeschosse durchschlugen herabstürzende Felsbrocken die Hauswände der Häuser, manche durchbrachen die zweite und dritte Wand, bis sie zum Stehen kamen. Ich fahre mit einem Mitarbeiterteam durch ein schmales Tal in die Sichuan-Berge hinauf.

Koordinator Nils Stilke besucht eine Wasserstelle im Erdbebengebiet. Foto: humedica

Bedrohlich umfahren wir das auf dem Sandweg liegende Geröll. Jeder Zeit rechnen wir mit weiterem Steinschlag. Durch das Erdbeben führten Erdrutsche dazu, dass Gesteinsbrocken die Berghänge hinab stürzten und die darunter liegenden Häuser vollkommen zerstörten.

Steil schlängelt sich unser Weg in die grün bewachsenen Berge zu weit abgelegenen Bergdörfern. Unser Ziel ist es, mehr Überlebende zu finden, die bisher noch keine Hilfe erhalten haben.

Wir finden das hochgelegene Dorf Yong Yim. Hier wohnen etwa 700 Familien, die in erster Linie von der Landwirtschaft leben. Sie heißen uns herzlich willkommen und schildern uns ihre Nöte. In den meisten Familien seien durch das Erdbeben Angehörige ums Leben gekommen. Nicht ein Haus sei in diesem Dorf mehr bewohnbar, sie wären von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten und bräuchten Hilfe, beim Aufräumen ihres Hausschuttes.

Die Dorfbewohner waren allerdings nicht untätig und haben bereits mit dem Bau von provisorischen Holzhütten begonnen. Unter sehr unhygienischen Lebensumständen leben sie im Freien und sind dem täglichen Regen ausgesetzt. Durch das Erdbeben ist ein Berghang herabgerutscht, auf dem sich der Dorffriedhof befand. Die Gräber liegen offen und sind mit Geröll vermischt. Hausruinen stürzen durch Instabilität und tägliche Nachbeben ein und gefährden weiterhin die Menschen.

Viele Dörfer in den Bergen sind von Erdrutschen bedroht. Foto: humedica

Kinder klettern im Schutt der zerstörten Häuser. An ihren Blick erkenne ich eine betrübte Stimmung, eine Leere, durch die traumatischen Ereignisse der letzten Wochen, den Verlust ihres Zuhauses und verstorbenen Familienangehörigen. Im kommenden Monat werden die Temperaturen sinken, so dass die Nächte sehr kühl werden können.

humedica stellte zwischenzeitlich weitere 5.000 Euro bereit, so dass wir in der Lage sein werden, in den kommenden Tagen auch diesem Dorf beim Bau eines Brunnens und von Toiletten sowie mit der Verteilung von Essen und Decken zu helfen.

Die Bewohner winken uns bei unserer Abreise nach. Ich freue mich dabei über die lachenden Gesichter der Menschen, die offensichtlich durch unsere Hilfe neuen Lebensmut gefunden haben.

Jetzt heißt es für uns, Hilfsgüter zu kaufen, Transporte zu organisieren und Fachpersonal für die Bauarbeiten einzustellen. Im Dorf Yao Jim geht der Bau von Duschen gut voran; mit den von uns verteilten Planen haben die Dorfbewohner Hütten gebaut, in denen sie auf engstem Raum im kommenden Jahr leben werden. Auch hier konnte humedica bereits die Wasserversorgung wieder herstellen, Toiletten bauen und Essen, sowie Zelte an über 300 Familien verteilen.

Mit schweren Maschinen werden wir den Dorfbewohnern außerdem helfen, den Schutt zu beseitigen. Während dessen erkunden wir die Gegend nach weiteren Dörfern, um noch mehr Familien in Not zu helfen und ihnen Hoffnung zu bringen.

Bitte unterstützen Sie unsere wichtige Arbeit in China mit einer konkreten Spende. Vielen herzlichen Dank.

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