"Es fehlt am Nötigsten"

von Dr. Ulrich Seemann/DMO, 29.09.2008

Der Hambührener Kinderarzt Dr. Ulrich Seemann befindet sich seit dem 17. September für humedica in Haiti. In seinem Bericht schildert er die dramatische Lage vor Ort und seine Eindrücke von der unverzichtbaren Hilfe des humedica-Einsatzteams:

"Obwohl die in der unwegsamen Umgebung von St. Marc gelegenen Ortschaften sehr schwer zu erreichen sind, konnten wir dank der Hilfe von Dr. Dieudonne Battraville von der Gesundheitsbehörde in St. Marc erfolgreich arbeiten. Sie half uns bei der Festlegung der Ziele, die unser Ärzteteam mit dem Geländewagen anfahren konnte.

Die von der Flut eingeschlossenen Orte sind noch immer von der Außenwelt abgeschnitten, und durch die erneuten Regenfälle ist eine kurzfristige Besserung der Lage nicht absehbar.

Mit großer Hingabe kümmert sich Dr. Seemann um die Kinder, die häufig ausgehungert sind und sich in schlechter körperlicher Verfassung befinden. Foto: humedica

Die Fahrten in die Berge mit dem Geländewagen sind abenteuerlich, die Leistungsfähigkeit dieser Fahrzeuge ist unfassbar. Die Fahrkünste und der Mut unseres Fahrers nötigen uns tiefen Respekt ab.

Nach der Ankunft in den fernen Dörfern bietet sich dem Team immer das gleiche Bild. In Windeseile spricht sich die Ankunft des deutschen humedica-Hilfsteams herum, und in kürzester Zeit warten Hunderte von Menschen vor unserer provisorisch aufgebauten Ambulanz. Meist müssen wir mangels akzeptabler Räume im Freien arbeiten, was bei dem großen Ansturm der Patienten mit dem entsprechenden Lärmpegel und der Mittagshitze von über 35 Grad anstrengend und sehr ermüdend ist.

Manchmal kommt es unter den Wartenden zu aggressiven Auseinandersetzungen, weil der Eine oder die Andere versucht, sich vorzudrängeln. Zumeist sind die Menschen aber freundlich und respektvoll.

Wir werden immer wieder mit den gleichen Krankheiten konfrontiert. Die uns begleitende Ärztin Dr. Battraville, die nur für administrative Aufgaben zuständig ist und keine kurative Medizin betreibt, war von der Not der Menschen selbst überrascht.

Mit unseren bescheidenen Mitteln versuchen wir, Malaria, Parasitenerkrankungen, schwere Hautkrankheiten, Krätze und schwere Durchfallerkrankungen zu bekämpfen. Das vorherrschende und alles andere überschattende Problem ist jedoch der Hunger.

Wie diese alte Frau stehen viele Menschen in Haiti vor dem Nichts: Die Stürme haben ihnen ihre ohnehin dürftige Lebensgrundlage entzogen. Foto: humedica

Meist sind wir in der Hitze bereits nachmittags so erschöpft, dass wir die Arbeit abbrechen und die noch Wartenden auf unser nächstes Eintreffen vertrösten müssen. Nach dem Abbau der Ambulanz müssen wir den anstrengenden Rückweg zu unserem Quartier bewältigen, was bis zu zwei Stunden in Anspruch nehmen kann. Oft fahren wir auch im Krankenhaus von St. Marc vorbei um zu schauen, wie es den von uns eingelieferten Patienten geht.

Die Zustände in diesem Krankenhaus sind allerdings katastrophal. Es fehlt absolut am Nötigsten. Immerhin unterstützt uns der Leiter der Pharmazie im Ordern von Medikamenten, die wir in großen Mengen benötigen.

Ein zweites humedica-Team vor Ort organisiert die Nahrungsmittelverteilung, die nur unter dem Schutz der UNO erfolgen kann. Die Hilfe dieses Teams ist noch wichtiger als unser Ärzteeinsatz. Die Bevölkerung leidet unter dem Hunger, viele Menschen sind unterernährt.

Probleme bereiten die immensen Kosten, die wir nur Dank der Hilfe des Auswärtigen Amtes in Deutschland bisher einigermaßen tragen konnten. Die Fluggesellschaft CONDOR hat zudem die Flüge für meine Mitarbeiterin und mich kostenfrei bereitgestellt.

Ohne diese Hilfe hätten wir auf die Mitarbeit unserer Krankenschwester verzichten müssen, was unsere Arbeit erheblich beeinträchtigt hätte. So konnten wir binnen einer Woche immerhin 900 Patienten behandeln. Die doppelte Anzahl wäre nötig gewesen.

Da sich die Not und damit die Arbeit noch weiter hinziehen, hoffen wir fiebernd auf Spenden, ohne die wir den Menschen in Haiti nicht helfen können. Alle Mitarbeiter des Ärzteteams arbeiten selbstverständlich immer auf eigenes Risiko und unentgeltlich. Nur so können wir die Kosten gering halten.

Leider kann man in einem Bericht die Gesichter der Menschen, insbesondere der Kinder, nicht so bildlich beschreiben, wie sie uns in der Realität begegnen. Diese wunderbaren Kinder mit ihren schönen und dankbaren dunklen Augen entschädigen uns in hohem Maße für unsere Strapazen und lassen alle Anstrengungen vergessen.

Mein Enkelkind Jemina ist in Haiti geboren und wurde von meiner Tochter adoptiert. Ich bin sehr dankbar, dass ich gerade hier helfen darf."

Bitte helfen Sie dieser wichtigen Arbeit in Form einer Spende auf das Konto:

humedica e. V.
Stichwort "Fluthilfe Haiti"
Konto 47 47
BLZ 734 500 00
Sparkasse Kaufbeuren

Bitte spenden Sie auch online für die Opfer der Wirbelstürme in Haiti. Vielen herzlichen Dank für jede Form der Unterstützung.

Insgesamt 900 Menschen, darunter zahlreiche Kinder, konnte das humedica-Ärzteteam (hier: Dr. Irmgard Harms aus Hindelang) binnen einer Woche behandeln. Foto: humedica

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