Erdbebenhilfe China: Starke Regenfälle führten zu gewaltigen Erdrutschen

von SRI/Nils Stilke, 23.06.2008

Seit einigen Wochen befindet sich der humedica-Koordinator Nils Stilke in der Provinz Sichuan in China, um unsere Partnerorganisation Operation Blessing bei der Hilfe für die Erdbebenopfer zu unterstützen. Noch immer ist der Einfluss von Naturgewalten ein wichtiger Faktor bei der täglichen Arbeit, wie Nils Stilke in seinem aktuellen Bericht feststellt.

"Starke Regenfälle führten in den vergangenen Tagen zu heftigen Erdrutschen und verschütteten erneut die Zufahrtswege in die Berge des Erdbebengebietes der Provinz Sichuan. Unsere bis dato letzte Fahrt endete an einem Taleingang vor herabgestürzten Gesteinsbrocken, die eine Weiterfahrt unmöglich machten.

Starke Regenfälle führten in den letzten Tagen zu massiven Erdrutschen und verschütteten Straßen. Foto: humedica

Mit Rucksäcken wanderten wir schließlich die schmale Bergstraße zu den abgelegenen Bergdörfern hinauf, wo unsere Hilfe dringend gebraucht wurde. Unsere Mobiltelefone empfingen schon hinter der ersten Bergkurve kein Signal mehr. Immer wieder mussten wir über herabgestürzte Berghänge und große Felsbrocken klettern, bis wir schließlich nach zwei Stunden in Yong Yim ankamen.

Sehr verwundert, aber mit großer Freude wurden wir von den Dorfbewohnern empfangen, die riefen: "Die Langnasen sind da!" So werden Ausländer im chinesischen Volksmund genannt. Seit Wochen leben hier 700 Familien von der Außenwelt abgeschlossen ohne fließendes Trinkwasser und Strom zwischen den Trümmern ihrer Häuser unter Planen. 300 Familien leben auf engstem Raum in einem provisorischen Camp. Die Bewohner ernähren sich durch die Erträge ihrer Felder.

Von einer Familie wurden wir zum Mittagessen eingeladen. Wir tranken mit ihnen abgekochtes Wasser, das nicht als Trinkwasser gilt. Anschließend begutachteten wir den Toilettenbau, der von den einheimischen Bewohnern unter der Anleitung unserer Mitarbeiter durchgeführt wird. humedica stellte ihnen dafür Zement und Werkzeuge zur Verfügung.

Wir verschafften uns ein Bild von der Trinkwasserversorgung. Mit Eimern wird noch immer verschmutztes Wasser einen weiten Weg aus tiefer gelegenen Regionen hinauf getragen und zum Trinken und Kochen genutzt. Mit der Verlegung von Wasserleitungen und einer Pumpe wird humedica in diesem Dorf in den kommenden Tagen den Menschen helfen können.

Die Menschen versuchen vor allem in den Bergdörfern, sich selbst zu helfen. Leider fehlt es oft an Werkzeug und Materialien. Foto: humedica

Anschließend wurde ich in ein höher gelegenes Dorf geführt, das nur über einen schmalen Pfad zu erreichen ist. Die Häuser wurden mit Holz und Bambusstangen gebaut. Auch hier wird vorwiegend Trinkwasser benötigt. Im Laufe des Tages unterhielten wir uns mit einzelnen Dorffamilien. Neugierige Kinder kamen zu uns. Für sie war unser Besuch eine wirkliche Abwechslung, da durch das Erdbeben seit Wochen die Schule ausfiel. Sechzehn Mädchen und Jungen im Dorf kamen zusammen, mit denen wir singen und spielen konnten.

Am liebsten wären wir noch länger geblieben, aber wir müssen nun Maschinen zum Wiederaufbau und Fachkräfte organisieren, die in diesen zwei Dörfern eine neue Trinkwasserleitung legen werden. In den nächsten Tagen wollen wir außerdem Decken und Essen verteilen, da die Temperaturen im kommenden Monat stark sinken werden.

Auf dem Heimweg hielten wir im Dorf Yao Jim und begutachteten das fertige Toiletten- und Duschhaus, das die Dorfbewohner gebaut hatten. humedica hat auch hierfür Baumaterialien zur Verfügung gestellt. Die Dorfbewohner haben die Dächer ihrer neu aufgebauten Holzhütten mit den von uns verteilten Planen abgedeckt und können sich somit vor Regen schützen.

Wir konnten feststellen, dass diese Menschen optimistisch in die Zukunft blicken und ihre Dörfer wieder aufbauen wollen. Durch die Hilfe von humedica haben diese Bergbauern und ihre Familien wieder eine Zukunft. Ihren Dank für unsere Hilfe drückten sie durch ihre Wärme, Herzlichkeit und Gastfreundschaft aus, die uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Damit wir noch weiteren Familien in abgelegenen Dörfern inmitten der am schlimmsten betroffenen Gebiete helfen können, bitte ich Sie, liebe Freunde und Förderer, im Namen von humedica um ihre Unterstützung.

Aus China grüßt Sie Ihr
Nils Stilke"

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