Bangladesch: humedica hilft Kindern bei Traumabewältigung

von Michaela Baumann, 18.03.2008

Die Wunden, die Chand Banu noch immer Tag für Tag an den verheerenden Zyklon Sidr erinnern, sind nach außen hin nicht sichtbar. Es sind die Bilder, die die Menschen aus Bangladesh diese schrecklichen Stunden nie wieder vergessen lassen. Bilder von geliebten Menschen, die von Wellen fortgerissen oder von herumwirbelnden Dingen getroffen werden. Chand Banu hat an diesem Tag ihre dreijährige Tochter verloren. Ihr fünfjähriger Sohn hat überlebt. Doch Nacht für Nacht schreckt er weinend aus dem Schlaf.

Tanz und Gesang helfen den Kindern dabei ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Foto: Schuckmann-Honsel

Wie durch ein Wunder hat der fünfjährige Abdur den Wirbelsturm überlebt. Nachdem er seiner Mutter aus den Armen gerissen worden war, gelang es ihm, sich an den Ästen eines Baumes festzuhalten. Doch die Erinnerungen an diesen Moment machen es ihm unmöglich, das Erlebte in Worte zu fassen. Obwohl er unmittelbar nach dem Sturm über seine Erlebnisse sprechen konnte, ist er seit Wochen verstummt. Nachts schreckt er immer wieder weinend aus dem Schlaf. Doch Abdur ist kein Einzelfall.

Viele Menschen haben durch den Wirbelsturm Mitte November Schreckliches erlebt und Angehörige oder Freunde verloren. Offiziell spricht man von 2500 Toten. Und auch wenn mittlerweile vier Monate vergangen sind, sind die psychischen Wunden noch lange nicht verheilt. Vor allem die Kinder leiden an den Folgen dieser traumatischen Erlebnisse. Gerade sie brauchen eine Bezugsperson. Einen Vater oder eine Mutter, auf die sie sich verlassen können. Doch diese Bezugsperson haben viele durch den Sturm verloren. Geprägt durch diese schrecklichen Erfahrungen, schrecken viele der Kinder nachts immer wieder schreiend auf, leiden ständig unter Fieber oder klammern sich, sobald der Wind etwas stärker wird, krampfhaft an Äste.

Um gerade den Kindern bei der Bewältigung dieser Traumata zu helfen, fördert humedica gemeinsam mit der lokalen Nicht-Regierungs-Organisation SUKTARA MAHIL SCHMITI und dem lokalen Partner KOINONIA ein Projekt in Barguna. Mit Hilfe eines Spiel- und Kreativprogramms werden momentan rund 200 Kinder dabei unterstützt, ihre schrecklichen Erlebnisse spielend zu verarbeiten. Neben der psychologischen Betreuung und selbstgenähten Kleidungsstücken erhalten die Kinder einmal am Tag eine ausgewogene Mahlzeit. All diese Dinge helfen ihnen dabei, den Weg zurück in ein strukturiertes Leben zu finden und ihr Trauma zu überwinden.

humedica-Koordinatorin Sandra Schuckmann-Honsel bei ihrem Besuch im Januar. Foto: humedica

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