Tagebuch eines humedica-Arztes im Libanon

von Joachim Panhans, 04.05.2007

Nach dem Waffenstillstandsabkommen zwischen dem Libanon und Israel im August letzten Jahres übernahm humedica im Südlibanon die Verantwortung für die medizinische Versorgung der heimkehrenden Flüchtlinge, da die einheimischen Gesundheitszentren ihren Dienst noch nicht wieder aufgenommen hatten. Einer der zwei Ärzte, die für drei Wochen von 4. bis 25. September 2006 ehrenamtlich im Libanon arbeiteten, war der Frankenberger Allgemeinmediziner Dr. med. Wolfgang Renninger. Hier einige Auszüge aus seinen Tagebuchaufzeichnungen.

Montag, 4. September 2006

Der erste Tag im Libanon. Wie wohl immer: es war erstmal alles so anders, als wie ich es mir vorgestellt hatte. Allein die Anreise. Im letzten Moment die Nachricht, der Flughafen Beirut sei gesperrt. Wir müssen nach Damaskus ausweichen.

Hektik wegen der neuen Visumsbeantragung Abflug in Frankfurt, Zwischenstop in Wien. Dort stößt Regina aus München zu mir, sie ist Krankenschwester. Als wir am Flughafen in Damaskus ankommen, sind wir sehr erleichtert: wir werden von einem freundlichen, libanesischen Taxifahrer erwartet. Doch weiter als wenige Meter kommen wir nicht. Uniformierte Männer - Polizisten? - stoppen uns, ein kurzer, unverständlicher Wortwechsel. Aussteigen! Warten! Unser Taxifahrer erklärt uns, er dürfe uns als Libanese nicht von einem syrischen Flughafen abholen. Das sei zwar Willkür, aber was könne er da ändern? Wir durchqueren den gesamten Flughafen, laufen durch lange Gänge, gelangen per Fahrstuhl in immer wieder neue Stockwerke mit vergammelten Büroräumen. Viel Palaver mit merkwürdigen Männern. Schließlich wechselt Geld den Besitzer, wir erhalten eine kleine Bescheinigung und können endlich wieder los fahren. Diesmal allerdings in einem gelben, syrischen Taxi mit einem syrischen Fahrer. Nach knapp zwei Kilometern halten wir schon wieder und wer braust heran? Unser alter Taxifahrer! Rasch laden wir das Gepäck um und weiter geht’s. Die Bilanz: die zwei Kilometer Fahrt im syrischen Taxi haben uns 70 Dollar und drei Stunden Wartezeit gekostet. (Die Bescheinigung entpuppt sich später als Quittung über eine Spende von einem Dollar. Ärgerlich und auch zum Lachen.)

In hohem Tempo, mit riskanten Überholmanövern und unter Dauerhupen geht’s voran. In der Mitte der Strasse sind oft tiefe Bombentrichter, wir umfahren sie auf holprigen Seitenwegen. Ein riesengroßes Viadukt liegt halbzerstört in der Schlucht, rot beschienen von der untergehenden Abendsonne, abgehoben gegen das schwarze Gebirge. In der wüstenartigen Ebene um Damaskus sind es um die 35 Grad, hier oben am Paß nur noch 18 Grad. Unser Taxifahrer bezeichnet sich als «driver for the street» (Fahrer für die Straße), die anderen, vor allem die Syrer als «driver for the sky» (Fahrer für den Himmel). Doch alles geht gut, niemand landet im Himmel und wir ereichen schließlich Beirut. Regina und ich werden einem christlichen Libanesen übergeben, auf seinem Auto erkennen wir den Schriftzug von humedica. In einer stillen Nebenstrasse mit fünf- bis sechsstöckigen Häusern verbringen wir in einer Privatwohnung die Nacht. Gegenüber auf dem Balkon genießen die Menschen ihren Feierabend. Der Blick auf Beirut ist schön, ein Lichterteppich, ausgebreitet auf den Berghängen. Ein friedliches Bild. Die Stadt ist groß und das zerbombte Viertel weit.

Dienstag, 5. September 06

Zum Frühstück eine halbe Birne, Kekse und Wasser. Eine Libanesin holt uns mit einem Geländewagen ab, wir fahren Richtung Süden. Wir erreichen die Hafenstadt Tyros. In der leerstehenden Wohnung des Direktors eines evangelischen Schulzentrums empfangen uns die Mitarbeiter von humedica. Hier ist unsere Basisstation und wir deponieren unser Gepäck. Der Geländewagen wird für unseren ersten Einsatz sofort bepackt. In meinen Rucksack verstaue ich noch meine persönlichen Geräte wie Ohrenspiegel oder Stethoskop und schon fahren wir weiter Richtung Süden. Zerstörte Strassen und Brücken, zerfetzte Autos, die ersten zerbombten Häuser, Militärposten, Fahrzeuge der UNO… In den Bergen liegen unsere Dörfer, in denen wir in den nächsten Wochen unsere mobile Praxis aufbauen werden.

Bremsen, wieder anfahren, Bremsen, wieder anfahren, Bremsen, wieder anfahren. Eine Fahrt voller Hindernisse. Bombentrichter, notdürftig mit Steinen aufgefüllt: Bremsen! Ein Straßenabschnitt, übersät mit tassengroßen Löchern: Bremsen! Granatlöcher, fast immer zwei nebeneinander: Bremsen! Ein entgegenkommender Panzer: Bremsen! Ein Militärposten an einer Kreuzung, Bagger, Kräne, Ziegenherden, Esel; Bremsen und wieder Bremsen!

Dazu Hitze und Staub. Verkarstete Berghänge, manchmal mit dunklen Flächen, Spuren der Phosphorbomben. Die Häuser: abgedeckt, schräg umgeworfen, zersiebt, plattgedrückt, schwarz verbrannt. Zerfetzte Autos und Laster am Straßenrand. Viele Autos besitzen nur noch eine Eigenschaft: sie bewegen sich vorwärts. Irgendwie. Türen fehlen teileweise, der Lack ist zu dreiviertel weg, die Fenster völlig. Und alles, was mit der Beleuchtung zu tun hat, ist sowieso nicht vorhanden. Die Polizei hat sicher andere Probleme.

Wir halten in der Mitte eines Dorfes, manche Häuser sind sehr ansehnlich. Neben der nur wenig zerstörten Moschee befindet sich ein halb in Trümmern liegendes Mausoleum. Hier finden wir einen Raum, notdürftig von Schutt befreit, es fehlt an allem, was zur Hygiene nötig wäre: Wasser, saubere Tücher... Was ich an humedica schätzen lerne ist, daß wir alles Nötige dabei haben und nicht auf andere angewiesen sind. Wir spannen einen Vorhang quer durch den Raum, hängen die Fahne von humedica auf, suchen Tische und Stühle zusammen. Wir werden vom Ortsvorsteher begrüßt, auf der Treppe stehen schon die ersten, dunkel gekleideten Frauen, Kinder und Männer.

Der Muezzin verkündigt unsere Praxiseröffnung vom Minarett aus. Immer mehr Patienten kommen: fiebernde Kinder, viele Durchfallkranke, einige Patienten mit Lungenentzündung, dazu Diabetiker und Herzkranke, denen die Medikamente ausgegangen sind. Entzündungen, Verletzungen, auch Kriegsverletzungen, die nachbehandelt werden müssen. Unsere Dolmetscherin Maria ist immer dabei. Sie übersetzt alles sehr einfühlsam und scheint mir immer genau das rüberzubringen, was ich meine. So erfahren wir, daß die Krankenhäuser in Tyros und anderswo hervorragend in der Lage waren, die Verwundeten zu behandeln. Dafür sorgte wohl die Hisbollah. Doch was landesweit fehlt, sind Medikamente für die Dorfbewohner und die zurückkehrenden Flüchtlinge.

Die Schlange der Wartenden wird immer länger. Etwas Autorität ist nötig, einmal um die Vorwitzigen wieder hinter den Vorhang zu schicken, der den Warte- vom Behandlungsraum abgrenzt, aber auch, um das oft sehr laute Palavern zu dämpfen. Doch irgendjemand lupft dann doch wieder eine Ecke des Vorhangs, um einen Blick auf uns werfen zu können.

Plötzlich drängen sich rund ein Dutzend Leute um unseren Behandlungstisch, alle reden, niemand versteht etwas, leere Medikamentenschachteln werden hochgehalten. Chaos. Die Menschen haben die berechtigte Sorge, daß wir abfahren, ohne alle versorgt zu haben. Gegen die Vorschrift - wir müßten vor Anbruch der Dunkelheit wieder in unserem Quartier sein - verlängern wir unsere Behandlungszeit um eine Stunde.

Auf dem Rückweg fahren wir in den Sonnenuntergang hinein, die Ruinen sind rötlich beschienen, holprige Wege, viel Staub. Wir sind mit der Zentrale in telefonischer Verbindung. Bei Dunkelheit kommen wir an - vom hellen Mond beschienen, und somit vorschriftsmäßig bei Helligkeit, wie wir uns einreden.

Ich habe in der Wohnung des Schuldirektors das kleine Kinderzimmer erhalten. Es sieht aus, als ob es nur für einige Stunden verlassen sei: überall Spielzeug, die Schränke und Schubladen voller Kleidung. Die Familie hat sich vor dem Krieg in Sicherheit gebracht und humedica ihr Haus für die drei Wochen, in denen wir hier sind, zur Verfügung gestellt. Der Ventilator läuft auf Hochtouren, sofern Strom da ist, und ich kann für einige Stunden schlafen.

Mittwoch, 6. September 2006

Das Dorf, das wir heute besuchen, liegt tief in den Bergen. Unsere Praxis eröffnen wir diesmal in einem prächtigen Gemeindehaus, oder richtiger: in einem ehemals prächtigen Gemeindehaus. Die Marmortreppe, die wir mit unseren Aluminiumkisten hinaufklettern, ist durch Bombensplitter zerstört, die Eingangstüre ohne Glas und verbogen, der ehemals schöne Steinfußboden mit Löchern übersät, die Decke hängt herunter, die zerstörte Eisenarmierung des Betons bildet einen wirres Muster vor dem blauem Himmel. Die Wände sind herausgesprengt, wir blicken die Dorfstrasse hinunter und auf die weite, sonnenbeschienene, jetzt im Spätsommer karstig wirkende Landschaft. Wir finden einige verstaubte Plüschsessel. Nachdem wir noch zwei Tische aufgetrieben haben, sind der Warte- und der Behandlungsraum schnell eingerichtet.

Wieder viele Patienten: 70 bis 80. Babys, junge Kopftuchmütter, großäugig, wie Maria auf alten Bildern, alte Leute mit interessant gefurchten Gesichtern. Fast alle Patienten sind sehr gepflegt, die Kinder herausgeputzt, viele Frauen auffällig schön gekleidet. Sie haben sich auf den Arztbesuch vorbereitet. Mir wird bewußt, daß die Bevölkerung nur durch den Krieg von der medizinischen Versorgung abgeschnitten wurde und nur daher unsere Hilfe benötigt.

Auf dem Heimweg suchten wir eine Tankstelle. «Suchen» ist hier tatsächlich das richtige Wort, denn fast alle Tankstellen wurden präzise und gezielt zerstört. Schließlich führte uns ein Einheimischer zu einer intakten Benzinquelle.

Weil es heute irgendwo Probleme gab, werden wir nochmals mit den Sicherheitsregeln vertraut gemacht. Wir sollen immer auf dem Weg bleiben, ihn auch nicht um wenige Meter verlassen. Mehr als 1,3 Millionen Splitterbomben (Clusterbombs) seien gefallen, von denen ein großer Teil noch nicht explodiert sei. Das Militär habe, so höre ich, Tote zu beklagen. Die Soldaten seien bei der Bergung und Entschärfung des Bombenmülls ums Leben gekommen. Auch Zivilisten würden durch die Bomben immer wieder verletzt und getötet. All das erzählt in eindringlicher und fürsorglicher Rede der Bürgermeister unseres Dorfes.

Am Abend zu Hause - ja richtig: wir fühlen uns in der Schule und Direktorenwohnung zu Hause - sortieren wir die Ausrüstung, versorgen uns mit Nachschub, schreiben Protokolle und füllen die Zahlen für die Statistik in die vorbereiteten Formulare. Manche Diagnosen müssen an die UNO weitergeleitet werden. Ein Typhusfall wird von amtlicher Seite weiter verfolgt.

Nur spärliche Tropfen heute und das Wasser ist kalt. Doch ich genieße die Dusche. Ein Luxus im Vergleich zu meinen Vorstellungen vor der Abreise. Jetzt fehlt nur noch ein Glas Wein. Doch alle meine Kollegen von humedica, Alexia, Joseffa, Regina, Dimitri, Josef, Schorsch und Dr. Eduardo, sind «entschiedene Christen» und ganz dem Alkohol abhold.

Donnerstag, 7. September 06

Ich habe schlecht geschlafen. Da die Luftfeuchtigkeit relativ hoch ist, ist die Hitze hier unten in der Hafenstadt nur schwer zu ertragen. In den Bergen, in unseren Dörfern, ist das Klima deutlich angenehmer.

Wieder ein anderes Dorf. Wir halten wie immer unsere Sprechstunde: Läuse, Flöhe, Würmer sind heute das Problem. Schwere Infektionen. Dazu immer wieder entgleister Diabetes und Herzdekompensationen, da den Patienten die Medikamente ausgegangen sind. «Libado!», «der Nächste», «Libada», «die Nächste!», so geht es den ganzen Tag. Manche Patienten sind rührend in ihrer Dankbarkeit. Ein alter Mann nimmt mich in den Arm und drückt mir einen bärtig rauhen Kuß auf die Wange. Der Bürgermeister läßt uns Speisen und Kaffee bringen. Doch es fehlt uns die Zeit zum essen, die wartenden Patienten werden immer mehr.

Ich muß viele meiner früheren Vorstellungen korrigieren. Der Libanon ist kein armes Land. Auf den umliegenden Bergehängen sehe ich manch ansehnliche Villa im orientalischen Stil. Ich spreche mit einem Libanesen, der eigentlich in Deutschland lebt und während des Urlaubs in seinem Heimatdorf vom Krieg überrascht wurde. Wie viele andere Auslandslibanesen hat er sich hier ein Haus gebaut, das bis auf die Sommerwochen, die er mit seiner Familie in der Heimat verbringt, leer steht. Er erzählt mir, daß um die 130 Männer alleine aus seinem Dorf in Deutschland leben und arbeiten würden, deutsche Frauen geheiratet hätten und ihr Geld im Libanon investierten. Viele Millionen Libanesen lebten im Ausland, und so flösse viel Kapital in den Libanon. Zudem seien die Libanesen seit Jahrtausenden weitgereiste Kaufleute, so daß trotz der vielen Kriege der Libanon ein relativ wohlhabendes Land zu sein scheint: die Schweiz des Nahen Ostens, wären da nicht die ständigen Kriege.

Freitag, 8. September 06

Sicherheitsunterweisung in einer libanesischen Kaserne in Tyros. Überall Minenattrappen, Maschinengewehre. Waffen, Waffen, Waffen. Ein am gesamten Körper, auch im Gesicht, tätowierter Sicherheitsbeauftragter erklärt uns, wie wir die Gefahren vermeiden können. Wichtig sei, zu jeder Zeit das Handy griffbereit zu halten. Wir schreiben Telefonnummern auf, die wir in kritischen Situationen anrufen sollen.

Doch kaum sind wir aus der Kaserne draußen, vergessen wir schnell, daß die Situation hier in Tyros gefährlich sein könnte. Alles wirkt so alltäglich: der Verkehr, die geschäftigen Menschen auf der Strasse, die städtisch gekleideten Jugendlichen, die vollen Straßencafés und Eisdielen.

Das Meer und die Landschaft sind schön. Im Vorbeifahren sehen wir viele römische Trümmer, Säulen, Amphitheater. Gelegenheit zur Besichtigung haben wir nicht. Doch heute Abend sind wir - immerhin - mit dem Schuldirektor schwimmen gegangen. Mondbeglänztes Meer, die glitzernden Lichter der Hafenstadt Tyros, das Meer angenehm warm. Für eine Stunde Urlaub.

Sonntag, 10. September 06

Sonntag. Wir haben frei. Ich bin zwar nicht ganz einverstanden, nicht jeden Tag nutzen zu können. Aber was für mich, die Krankenschwestern Alexia und Regina ein freiwilliger Einsatz ist, ist für die anderen ein Job, da sie bei humedica fest angestellt sind. Und die Woche hatte weit mehr als nur 40 Stunden.

Zusammen fahren wir in die nahegelegene Kirche. Ein normales Gebäude mit arabischer Aufschrift. Der schlichte Raum könnte rund 100 Menschen fassen. Als wir ankommen, ist eine Handvoll Gläubiger schon da. Der Geistliche stellt uns der Gemeinde vor, wir müssen erzählen, was wir hier tun. Der Gottesdienst beginnt mit einigen Liedern. Fremd, aber sehr angenehm. Der Geistliche ersetzt mit seiner kräftigen Stimme die Orgel. Er predigt lange und lebhaft, ich träume vor mich hin, im Hintergrund das mir unverständliche Arabisch. Nach dem Gottesdienst versammeln sich alle in einem Nebenraum mit bequemen Sitzgelegenheiten, der Geistliche bewirtet uns mit Fruchtsaft.

Am späten Nachmittag fahren wir mit unseren Einsatzwagen an den offiziellen Badestrand von Tyros. Er wird zur Strasse durch barackenartige Kneipen abgegrenzt. Wir setzen uns an einen der vielen Plastiktische, die im Sand des Strandes stehen. Familienidylle. Väter und Mütter, die mit ihren Kindern spielen. Die hellen Berge und die hohen Häuser von Tyros bilden einen malerischen Hintergrund.

Unter den Badenden sind auch Frauen, die in ihren Kleidern und mit Kopftuch langsam in das Wasser schreiten, bis es ihnen bis zum Halse reicht. Es erinnert mich fatal an Filmszenen von Selbstmordwilligen.

Wir werden aufmerksam beobachtet. Im Wasser werde ich auf Deutsch angesprochen und im Nu stehen wir in einer großen Männerrunde zusammen: Onkel, Opa, Schwager, Neffe, Sohn. Die üblichen woher und wohin Fragen. Hussein arbeitet in Deutschland und erzählt von seinem zerbombten Heimatdorf und der Konfrontation zwischen den Israelis und der Hisbollah. Ein Arzt sei seit dem Krieg noch nicht da gewesen. Wir versprechen, in den nächsten Tagen zu kommen, sobald unsere Leitstelle mit dem Bürgermeister alles geplant habe. So hat unser Sonntagsausflug auch für unsere Arbeit einen Sinn bekommen.

Montag, 11. September 06

Wir fahren zu Husseins Dorf in der Nähe der Grenze zu Israel, das nun also auch zu meinen Dörfern gehört. Die Landschaft ist beeindruckend, viele sehr schöne Häuser, aber auch viele Ruinen.

Hussein erwartet uns schon an der Ortsgrenze in seinem Mercedes. Er bringt uns zu dem beschädigten Verwaltungszentrum - unserer Arbeitsstätte. Wir werden vom Bürgermeister begrüßt und schlürfen zusammen einen Kaffee. Wir richten im Handumdrehen unseren Praxisraum ein, inzwischen haben wir ja Übung. Die Patienten stehen schon Schlange, sind froh, daß ich jeden untersuche: Infektionen, Herzprobleme, Bluthochdruck, Diabetes, Durchfallerkrankungen, manchmal auch eiternde Wunden.

Hussein besteht auf seiner Einladung zum Abendessen. Da der Strom ausgefallen ist, verzehren wir ein kaltes Fladenbrot und trinken lauwarme Pepsi. Schon wieder fahren wir gegen die Vorschrift bei Dunkelheit nach Hause, bleiben dabei aber in ständiger telefonischer Verbindung mit der Basis.

Dienstag, 11. September 06

Es ist heiß, wie immer. Viele zerstörte Häuser, doch auch viele Bagger und Kräne. Es wird eingeebnet, repariert und aufgeräumt.

Nachdem wir zwei Stunden in einem zerbombten, aber für unsere Zwecke noch brauchbaren, Gemeindehaus gearbeitet haben, fährt der Iranische Rote Halbmond in einem Ambulanzwagen vor. Auch sie planen, hier für einen Tag eine Sprechstunde abzuhalten. Die wartenden Patienten signalisieren uns, daß sie lieber von den Deutschen behandelt werden wollen. Eine kurze, nicht unfreundliche Besprechung, dann ziehen unsere «Mitbewerber» in ein anderes Dorf weiter.

Wie jeden Tag behandeln wir rund 70 Patienten. Auch wenn eine Großfamilie nichts anderes als ein Wurmmittel braucht - alles kostet viel Zeit. Ich lege Wert auf viele Fragen, und Maria, meine Dolmetscherin, hat einen anstrengenden Part. Auch muß sie alle Dosierungen genau auf die Plastiktütchen schreiben, in denen die Leute ihr Medikament erhalten.

Wir sind ein gut funktionierendes Team. Wir arbeiten Hand in Hand und haben gute Laune. So wie alle Tage, die Stimmung ist gut. Ich bin dankbar, daß wir effektiv arbeiten können. humedica hat gut vorgesorgt. Alle Medikamente, die wir brauchen, auch alle anderen Hilfsmittel, wurden vorher eingeflogen oder vor Ort organisiert. Ich denke, hier sind die Spendengelder gut angelegt worden.

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