Mein Einsatz im Erdbebengebiet (Teil II)

von Steffen Richter, 28.09.2007

Viele Kinder leiden unter den Folgen des Erdbebens

"Es gibt viele Orte, an denen unsere Hilfe gebraucht wird, und die Bevölkerung ist dankbar für jede helfende Hand. Auch der Bürgermeister von Pisco unterstützt uns, so gut wie möglich bei unserer Arbeit und hilft bei der Verteilung eingetroffener Güter, wie Kleidung, Lebensmitteln, Zelten und Trinkwasser. Doch wenn man ihn ansieht, blickt man in trauernde Augen: Er hat bei dem Beben seine Familie verloren.

Wie so oft hat das Beben vor allem die Schwächsten der Bevölkerung getroffen. Alte Menschen und Kinder haben nun niemanden mehr, der sich um sie kümmert. Sie werden von der trockenen, staubigen Luft krank und leiden vorwiegend an Bronchitis und grippalen Infekten. Auch chronisch Kranke wie zum Beispiel Diabetes-Patienten, kommen nicht an ihre Medikamente und erhalten kaum geregelte Mahlzeiten. So entgleist ihre Erkrankung und führt zu erheblichen Komplikationen.

Doch die Bevölkerung von Pisco hält zusammen. Unmittelbar nach dem Beben haben sich die Menschen im Wesentlichen selbst versorgt und gegenseitig geholfen. Die Bevölkerung der Hauptstadt Lima hat freigiebig alles Mögliche geopfert. Man spürt eine große Solidarität der Menschen - ohne Unterschied zwischen Ansehen und sozialem Stand. Sie verstehen, dass sie die Sorgen und Erschwernisse nur in der Gemeinschaft und mit gegenseitiger Unterstützung meistern können. Besitzer bewohnbarer Häuser stellen uns gerne ihre Privatwohnung für die Sprechstunde zur Verfügung. Vieles hier ist beispielhaft, wie etwa die Organisation und die Ordnung in den Krankenhäusern. Auch die Verlegung von Patienten verläuft reibungslos.

Unser Quartier ist in Paracas, ein Ort am Meer rund acht Kilometer südlich von San Andres, der Vorstadt Piscos. Paracas liegt unmittelbar an einer wunderschönen Bucht. Wir leben spartanisch jeweils zu dritt in einem Zelt oder einem kleinen Raum, kaltes Wasser, verpflegen uns selbst.

Um die medizinische Hilfe effektiv koordinieren zu können, treffen sich Delegierte jeder Organisation zweimal pro Tag im Krankenhaus. Dort werden alle Informationen ausgetauscht und die Einsätze koordiniert. Nur zusammen kann man eine derartige Katastrophe meistern." [Fortsetzung folgt]

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