humedica-Ärzteteam im Armenviertel von Pisco tätig

von Wolfgang Groß, 20.08.2007

Alter Mann vor zerstörtem Haus in Pisco

Lima/Kaufbeuren (lr) - 19. August. Seit Sonntagmorgen (19. August) ist das humedica-Ärzteteam im Erdbebengebiet von Peru im Einsatz. Unter den fünf deutschen Helfern, die bereits 16 Stunden nach dem Beben vom Flughafen München aus starteten, sind ausgewiesene Experten wie der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin, Prof. Bernd Domres, Oberarzt an der Chirurgischen Universitätsklinik Tübingen. Zu dem ehrenamtlichen Team gehören ferner der Chirurg Klaus Michael Hahn (München), die Kinderärztin Saskia Wortmann (Nimwegen/Niederlande) und die Krankenschwester und Apothekerin Christiane Leppla (Bruchsal). Sie arbeiten mit der peruanischen Sektion des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) in Lima. Das Auswärtige Amt hat dem humedica-Ärzteteam für den Einsatz einen Betrag von 40.000 Euro in Aussicht gestellt.

Die Behörden haben das Helferteam gebeten, die Gesundheitsversorgung im Armenviertel San Miguel der 250.000 Einwohner zählenden Stadt Pisco zu übernehmen. Das Krankenhaus ist, wie etwa 80 Prozent aller Gebäude der Stadt, von dem Erbeben zerstört worden. Die Hafenstadt Pisco gehört zu den am stärksten getroffenen Regionen. Hier wurden rund 400 der insgesamt bislang über 500 Todesopfer registriert. Die Suche nach Überlebenden in Pisco wurde am Sonntag eingestellt."Die Wahrscheinlichkeit, noch jemanden lebend zu finden, liegt bei Null", sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Einige Helfer würden daher abgezogen, die verbleibenden sollten die Bergung der verschütteten Leichen fortsetzten. Unterstützung erhält das humedica-Ärzteteam von Bürgermeister Juan Mendoza, der am 15. August seine gesamte Familie durch das Beben der Stärke 7,9 verloren hat, und der die Katastrophenhilfe in Pisco koordiniert.

Die überlebenden Erdbebenopfer leiden an Knochenbrüchen, Quetschungen und traumatischen Erlebnissen, berichtete humedica-Koordinator Steffen Richter aus dem Katastrophengebiet. Weil kaum ein festes Gebäude noch steht, haben die Helfer ein großes Zelt als Gesundheitszentrum aufgebaut. Strom und Wasser sind seit Tagen abgestellt. Die deutschen Helfer nutzen für ihre Arbeit einen Stromgenerator. Bislang sei die Region von fünf kleineren Nachbeben erschüttert worden. Viele Menschen liefen dann in Panik auf die Straßen. Weitere dringend benötigte Medikamente, Gipsbinden und Schienen zur Stabilisierung von Knochenbrüchen, wurden telefonisch in der Kaufbeurer humedica-Zentrale angefordert und werden am Montag per Luftfracht nach Lima transportiert.

Für den Weg aus Lima in den 200 Kilometer südlich gelegenen Einsatzort Pisco hat das Ärzteteam - wegen der Gefahr von Überfällen zeitweise eskortiert durch die peruanische Polizei - acht Stunden mit dem Geländewagen gebraucht, da immer wieder die Straßen zerstört waren. Nach Angaben von Richter hat das Erdbeben vor der Küste Perus auch einen kleinen Tsunami ausgelöst, der Wasser und Schlamm rund zwei Meilen ins Landesinnere gespült habe. Die Behörden hatten zunächst eine Tsunami-Warnung herausgegeben und wenig später wieder zurückgenommen.

Viele Menschen leben seit Tagen unter freiem Himmel und sind dringend auf Zelte, Trinkwasser und Lebensmittel angewiesen. Noch immer gibt es Regionen in denen die Erdbebenopfer ohne Hilfe sind. Perus Staatschef Alan García klagt über zunehmende Plünderungen gegen die das Militär vorgehen soll.

Nach offiziellen Schätzungen wurden 1500 Menschen verletzt. Etwa 100 000 Menschen sind obdachlos.

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