Eine Metallkiste ist die "Klinik"

von Joachim Panhans, 23.05.2007

Ohne die Hilfe unserer Freunde von MercyAir währe dieser Einsatz nicht möglich gewesen.

(RP) Johanniter-Krankenschwester Hiltrud Ritter war für die Organisation "humedica" in Mosambik. Die 46-Jährige berichtete von ihren Erfahrungen aus Südost-Afrika. So möchte weiterhin einmal pro Jahr im Ausland helfen.

Rheinische Post vom 6. März 2007
Radevormwald
VON SIGRID HEDDERICH

Hiltrud Ritter lehnt sich zurück. "Ich bin noch gar nicht richtig wieder zurück", sagt sie. Vor wenigen Tagen ist sie aus Mosambik zurückgekehrt. Die 46-jährige Krankenschwester hat keine Urlaubsreise hinter sich, sondern unterstützte ein Ärzteteam von "humedica" bei der Versorgung von Flutopfern im nordwestlichen Teil des Staates Mosambik.

Man spürt ihr deutlich an, dass sie das ganze Ausmaß einer solchen Katastrophe hautnah erlebt hat. Selbst aufgenommene Fotos beweisen Unfassbares: Wasser überall - auch dort, wo sonst Dörfer aus eng aneinander stehenden Strohhütten stehen. Der Anblick lässt ahnen, dass hier unzählige Menschen zu Tode kamen oder sich derzeit noch in höchster Not befinden.

Die Krankenschwester aus dem heimischen Johanniter-Krankenhaus scheint das vor Tagen Erlebte immer wieder vor sich zu sehen. Knapp zwei Wochen war sie im Einsatz der Hilfsorganisation "humedica". "Die erlebten Eindrücke sind einfach überwältigend", erzählt sie und berichtet von einer Gruppe Mütter mit Kindern im Schatten eines Baumes, die sich von den Helfern Linderung ihres Leidens erhofften. Mittendrin Hiltrud Ritter.

Die Gespräche mit den Überlebenden der Flutkatastrophe erwiesen sich als schwierig. "Erst wurden unsere englischen Anweisungen vom Dolmetscher ins Portugiesische übersetzt und später in die Stammessprache", erklärt Ritter. Medikamente verteilen, Infusionen legen oder Wunden verbinden, das waren die Hauptaufgaben. Verteilt wurden auch Trinkwasser und Mais. Die engagierte Frau betont, dass nicht alle Menschen dort als Folge der Flut erkrankt waren, sondern viele vorerkrankt waren.

Schwere Durchfälle, Wurmerkrankungen und Malaria bereiten den Menschen schon zu Normalzeiten großes Leid. Die Flut verstärkte nur die schwere Lebenssituation. Eine schlichte Metallkiste und eine Decke sind die "Klinik". Unter freiem Himmel im Flüchtlingslager in Caia wurden die Menschen versorgt. "Ich habe in viele dankbaren Augen geblickt", erzählt die Krankenschwester. Bei diesem Einsatz war die Grundversorgung der Flutopfer das Ziel - und doch sei es nur ein Tropfen auf einen heißen Stein. "Es klingt vielleicht seltsam, aber ich habe meine Arbeit dort gerne gemacht", sagt Ritter. Sie möchte weiter aktiv im Einsatz für "humedica" tätig sein.

Dafür nimmt Sie in Kauf, auch kurzfristig abgerufen zu werden. "Der Anruf kam um elf Uhr, um 20 Uhr saßen wir im Flieger", erinnert sie sich. "Wie viel Zeit es braucht, das Erlebte zu verarbeiten, weiß ich nicht." Die entgegengebrachte Dankbarkeit aber wird sie immer im Herzen tragen, meint die Krankenschwester.

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