Zuerst sterben die Tiere

von Ottmar Schrupp, 10.11.2006

Die Lebensgrundlage vieler Nomaden stirbt langsam dahin. Ohne ihre Herden beginnen auch die Menschen zu sterben.

Kaufbeuren/El Waaq, April 2006 - Vom 25. März bis zum 6. April reiste ein Assessmentteam unter der Leitung von Markus Köhler nach Nairobi / Kenia, um den Grundstein für ein Projekt in Somalia zu legen. Vor allem der Süden des Landes ist von der Dürrekatastrophe am Horn von Afrika schwer betroffen.

800.000 Kinder bedroht

Ausgebliebener Regen in den vergangenen Jahren ist der Hauptgrund für die Hungersnot, von der allein ca. 800.000 somalische Kinder betroffen sind. 20% davon sind nach Aussagen von COSV (Partnerorganisation vor Ort) unterernährt. Diese Zahl ist doppelt so hoch, wie im humedica-Projekt Niger. Der ausgebliebene Regen hat die Lebensgrundlage für die vom Viehhandel lebenden Nomaden zerstört. Inzwischen gingen ganze Herden von Rindern und Ziegen durch Hunger zugrunde. Selbst Kamele - die für Wüstenregionen geschaffen sind - sterben, weil sie kein Futter finden können. Vor jedem Dorf liegen Berge toter Tiere. Die nun einsetzende Regenzeit kommt viel zu spät. Völlig entkräftete Tiere liegen sterbend im Regen - ein grausamer Anblick für unser Team.

Auf Bitten der Regierung

Die Untersuchungsergebnisse unseres Teams und die Bitte der Übergangsregierung Somalias drängen uns, sofort mit der Arbeit zu beginnen, doch der anarchistische Zustand dieses Landes erschwert die Hilfe enorm. In diesem Land ohne Gesetz und Ordnung, in dem der Stärkere mit Waffengewalt seine Meinung durchsetzt, sind die Hilfsbedürftigen für die internationalen Organisationen nur schwer zu erreichen. Piraterie, Überfälle und Schießereien zwischen den Clans gehören zum täglichen Leben in Somalia, Umstände die die Arbeit für humedica erschweren. Nach intensiver Recherche bei verschiedenen Organisationen in Nairobi, reiste das Team nach Garissa, der Hauptstadt der Nord-Ost Provinz Kenias, an der ethnischen Grenze zwischen Kenianern und Somalis. Hier begann das humedica-Team mit der medizinischen Arbeit und behandelte 220 Patienten in 10 Stunden. Dr. Sabine Schöberl und Krankenschwester Esther Schubert wurde schnell deutlich, daß selbst hier am Rande der Dürreregion, im stabilen Kenia, die Auswirkungen der Hungersnot bereits deutlich zu sehen sind. Unzureichende Ernährung führt zu Mangelerscheinungen, die neben Malaria an diesen Tag am häufigsten diagnostiziert werden. Von Garissa aus reiste das Team weiter in die 600 km entfernte kenianisch-somalische Grenzstadt El Waaq. Die Fahrt mit dem Jeep durch den Busch dauerte ca. 15h. Unterwegs immer wieder tote Rinder, Ziegen und Kamele.

Älteste bitten um Hilfe

El Waaq ist muslimisch geprägt und zweigeteilt. Im kenianischen Teil der Stadt gibt es medizinische Grundversorgung. Polizei und Armee sorgen für Sicherheit und in den Läden gibt es alles zu kaufen. Ganz anders auf der somalischen Seite: Hier findet man keine Schule, keine Sicherheit und auch keine medizinische Versorgung. Die Grenze zu überqueren ist illegal. An öffentliche Einrichtungen können sich die Somalis nicht wenden - auf der einen Seite gibt es sie nicht, auf der anderen sind sie nicht erwünscht. Im somalischen Teil von El Waaq steht seit 10 Jahren eine Klinik leer. Die Ältesten der Stadt haben humedica eingeladen, hier tätig zu werden. Wir prüfen nun, wie und in welchem Umfang wir in El Waaq (auf Deutsch: "Brunnen Gottes") tätig werden, die Hungersnot bekämpfen und das nächste Ärzteteam nach Somalia entsenden können.

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