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Hoffnung wartet

Das humedica-Team wünscht Ihnen, Ihrer Familie, Ihren Verwandten und Freunden weiterhin eine gesegnete Adventszeit und eine besinnliche Zeit des erwartungsfrohen Hoffens, wie Ronald W. Nikkel, Präsident und Geschäftsführer der Hilfsorganisation Prison Fellowship International in seinem Weihnachtsbrief an Sie schreibt.

                         Hoffnung wartet

Es wäre eine restlose Untertreibung zu sagen, dass ich eine Person bin, die das Warten „hasst". Für mich fühlt sich warten wie totale Zeitverschwendung an, ein leerer Raum, in dem nichts passiert außer Ungeduld, Frustration und Ärger. Ob es sich um einen Termin beim Arzt handelt (es scheint, als ob man Menschen absichtlich warten ließe), oder ob man darauf wartet, dass ein unaufmerksamer Fahrer an der Ampel auf das grüne Licht reagiert, das seit mindestens einer oder mehr Sekunden aufleuchtet, oder ob ich darauf warte, dass meine Frau fertig wird, damit wir pünktlich in die Kirche kommen – bei mir dauert es nicht lange, bis ich völlig ungeduldig und reizbar werde.

Die Erfahrung des Wartens prägt das Leben der Menschen im Gefängnis. Im Laufe der Jahre habe ich beobachtet, dass Menschen auf verschiedene Weise warten. Es gibt Leute wie mich, die ungeduldig warten, wo Frustration und Wut in den Untiefen der Selbstkontrolle lauern. Andere warten während ihrer Gefängnisstrafe ängstlich, rechnen jeden Moment mit dem Schlimmsten; dass ihr Ehegatte oder Liebhaber ihnen den Laufpass gibt und sich einen anderen sucht, während sie inhaftiert sind; dass ein Elternteil stirbt und man sich nicht verabschieden kann; dass ein tyrannischer Mithäftling einen angreift. Es gibt sämtliche Arten von Dingen zu fürchten, während man machtlos im Gefängnis wartet. Wieder andere warten voller Erwartung und Hoffnung – auf Besuch aus der Familie, eine positive Bewährungsanhörung, oder auf den Tag, an dem sie freigelassen werden.

Advent ist eine Zeit der Vorbereitung und Erwartung. Es ist auch eine Zeit der Hoffnung und des Wartens. Hoffnung ist keine Hoffnung, wenn es sich nicht um etwas handelt, das erwünscht ist und erst noch kommen wird. Hoffnung ist immer von Warten umhüllt, als ob sie eingeklammert ist von dem, was einmal war und dem, was noch kommen wird. Als ich noch ein Kind war, konnte ich Weihnachten nicht erwarten – obwohl die vergangene Weihnacht in meiner Erinnerung verblasst war, wurden meine Hoffnungen für die kommende Weihnacht von dem Wissen angetrieben, dass Weihnachten eine gute Sache ist.

Dennoch war es immer eine Zeit des Wartens, gefüllt mit Verheißung und Hoffnung und Erwartung. Die Nacht vor Weihnachten war oft eine schlaflose Nacht für mich, eine Nacht, in der ich überlegte, welch überraschendes Geschenk wohl am nächsten Morgen auf mich warten würde. Ich wusste, es würde etwas da sein und ich wurde nie enttäuscht. Doch nicht jedes Kind wird am Weihnachtsmorgen wach und erfährt Güte und Großzügigkeit. Viele Kinder auf der ganzen Welt, einschließlich der Kinder, die ein Elternteil im Gefängnis haben, stehen nur auf, um mit Enttäuschung und Desillusionierung konfrontiert zu werden. Wieder einmal hat Weihnachten es versäumt, ihren geringer werdenden Erwartungen gerecht zu werden und das Warten hat nichts weiter als Leere und Hunger erzeugt. Es gibt nichts Schlimmeres als Warten ohne Hoffnung.

Zur Zeit der Propheten hatten die Menschen lange Zeit auf die Erfüllung von Gottes Versprechen gewartet, ihnen einen Erlöser zu senden. Und während der Wartezeit, von Generation zu Generation, wurden viele Menschen enttäuscht und gerieten ins Zweifeln. Manche gaben wartend auf, und viele andere wurden zynisch. Und doch hielten wenige hartnäckig an der Hoffnung fest, dass Gott, der sie von vergangener Unterdrückung befreit hatte, sicherlich sein Versprechen erfüllen würde, einen Befreier, einen Erlöser zu senden.

Ich frage mich, wie gut ich mich während solch einer langen Wartezeit geschlagen hätte, denn zu warten, ohne etwas Greifbares zu haben, das meine Hoffnung aufrecht erhält, verringert zwangsläufig meine Energie und meine Laune. Doch ich erfahre Ermutigung während meiner Zeit des Wartens, wenn ich die Worte Jesajas lese – „diejenigen, die auf den Herrn warten, werden ihre Kraft erneuern…aufsteigen wie Adler…laufen und nicht müde werden...gehen und nicht ermatten." (Jesaja 40,31). Der Gedanke, Erneuerung durch Warten zu erleben, erscheint so widersprüchlich. Allerdings bemerkt ein biblischer Kommentator, dass das von Jesaja verwendete Wort „warten" auch mit „hoffen" übersetzt werde kann – „diejenigen, die ihre Hoffnung in den Herrn setzen, werden ihre Kraft erneuern….“ Nochmals – Warten und Hoffen sind miteinander verbunden – Hoffnung ist von Warten umgeben.

In Angst und Frustration zu warten wirkt vermindernd und ist erschöpfend. In Resignation zu verharren ist leer und bedeutungslos. In Hoffnung zu warten steckt voller Erwartungen. In seiner Enzyklika "Über die Christliche Hoffnung" schreibt Papst Benedikt, dass „der Glaube die Zukunft in die Gegenwart überträgt, sodass es sich nicht länger bloß um ein ‚noch nicht’ handelt. Die Tatsache, dass diese Zukunft existiert, verändert die Gegenwart; die Gegenwart wird von der zukünftigen Realität berührt, und so greifen die Dinge aus der Zukunft auf jene in der Gegenwart über und die aus der Gegenwart in die Zukunft.“ Darin liegt die Hoffnung.

Hoffnungsvoll zu warten bedeutet für dich und mich, mit der Zukunft hier und jetzt in Berührung zu kommen; und für uns wird die Erfahrung des Wartens zum Tiegel, in dem Hoffnung genährt und aufrecht erhalten wird. Es ist die Hoffnung, die auf die Realität fixiert ist, dass Jesus Christus, der lang Ersehnte, gekommen ist; Jesus Christus kommt auch jetzt zu uns während wir warten; Jesus Christus wird wiederkommen in Erfüllung der Zeit und Verheißung. Das ist die Hoffnung, in der wir während dieser Adventszeit warten.

Wir warten, erwartungsvoll
auf das Kommen der Engel,
Seine Eltern,
die Hirten, die Tiere,
den Stern, das Kind,
und die Weisen, das Geschehen
des Weihnachtswunders,
das Erzählen der gleichen Geschichte,
niemals alt in der Erinnerung
des Moments, als Maria gebar
denjenigen, der da kommen sollte
Sein Volk zu retten, der eine Gott
der eingeborene Sohn
uns alle von unserer Sünde zu erlösen,
von der Kluft, die wir schufen
zwischen uns und Gott, dem Vater, der Mutter
dem heiligen Vermittler, Richter,
Opferlamm Gottes
Wartend, wie sie es taten, selbst in der Nacherzählung
denn es ist eine zeitlose Geschichte
von unendlicher Liebe und Gutem
die wir zu hören brauchen,
bis wir alle die Botschaft erhalten
und glauben.
(Raymond A. Foss, „A Season of Hope“)