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Einzelschicksale in Pakistan – Gegen die Stille und wider das Vergessen

Dörfer im Gebiet Khori

von Hannah Janvarious/DWA, 08.03.2013
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Wenn Katastrophen ein Land und dessen Bevölkerung erschüttern, ist es meist eine Großzahl an Hilfsbedürftigen, die zurückbleibt. Doch hinter dieser Gesamtheit stecken Einzelschicksale und die Leben einzelner Familien, die schlagartig verändert wurden.

Begleiten Sie uns auch in diesem dritten Teil aus Pakistan auf der Reise durch Lebenssituationen, die unser Pakistan-Koordinator Dr. Toni Großhauser zusammen mit Hannah Janvarious von PMS (Pak Mission Society) unternommen hat.

5. Begegnung: Bhero

Bhero wohnt seit vielen Jahren in dem Dorf Manzoor Wassan. Er ist ein alter Mann, der aufgrund seiner schlechten finanziellen Situation trotz seines Alters dazu gezwungen ist, täglich auf den Feldern zu arbeiten.

Bheros Tochter Sumjhu ist eine lebensfrohe junge Frau, die aufgrund der Monsunregenfälle aber wieder auf die Hilfe ihres Vaters angewiesen ist, der diese gleichsam benötigt. Foto: humedica/PMS

Einen Sohn hat er nicht, seine Töchter sind verheiratet und leben bei ihren Partnern. Bhero ist mit sechs Töchtern gesegnet, aber eine von ihnen hat einen besonderen Status: sie ist gehörlos und stumm geboren.

Ihr Name ist Sumjhu, sie ist fast 22 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder, die für sie das Lebensglück bedeuten. Von ihrem Mann wurde sie allerdings verlassen, da dieser doch nicht mit ihrer Einschränkung umgehen konnte. Nach der Trennung musste sie in die Unterkunft ihres Vaters Bhero zurückkehren, wo sie bis heute lebt.

Im Jahr 2011 zerstörte die Flut das Dorf und alle Bewohner mussten in die Wüste fliehen. Nach zwei Monaten ohne Schutz und Überdachung konnten sie in ihr Dorf zurückkehren und bauten temporäre Notunterkünfte auf. Auch dieses Dorf wurde nicht unterstützt. Doch dank PMS und humedica wird auch den Menschen in dieser Region nun geholfen.

Bhero wird unterstützt, da sein Einkommen nicht ausreicht um seine Familie entsprechend versorgen zu können. Hinzu kommt, dass er die Verantwortung für seine eingeschränkte Tochter und ihre Kinder tragen muss. Durch den Bau eines Hauses wird Bhero und seiner Familie in Kürze aber zumindest diese Sorge genommen werden.

6. Begegnung: Balaam

Balaam ist seit zehn Jahren Bewohner des Dorfes Khair Mohammad Wassan. Zu siebt leben das Familienoberhaupt, seine Frau, seine zwei Töchter und die drei Söhne in einem kleinen, provisorischen Verschlag.

Allenfalls vor der Sonne können die notdürftig errichteten Unterkünfte schützen. Eine dauerhafte Lösung stellen die Hütten keineswegs dar. Foto: humedica/PMS

Bei dem Besuch unserer Partner von PMS berichtete Balaams Frau, dass er vor einigen Jahren an einem schweren Fieber erkrankte, seitdem an einer geistigen Schwäche leidet und bis jetzt noch nicht in die Normalität zurückgefunden hat.

Dieser Umstand erschwert es ihr und ihren Kindern, für Balaam zu sorgen. Und obwohl Balaam bestmöglich auf dem Feld arbeitet, ist er aufgrund seiner Krankheit nicht kontinuierlich leistungsfähig. Die ohnehin schwierige finanzielle Situation der Familie belastet dieser Zustand zusätzlich.

Der Monsun im Jahr 2011 hat auch Balaams Familie schwer getroffen. Sie blieben auf einem Hügel, bis sich die Wassermassen innerhalb von vier Monaten langsam wieder zurückzogen. Sodann kehrten sie in ihr Dorf zurück und bauten sich provisorische Unterkünfte, um wieder neu anzufangen.

Pak Mission Society hat auch Balaams Dorf ausgewählt und wird ihm und seiner Familie – sowie auch anderen Dorfbewohnern – bei dem Bau eines monsun- und flutsicheren Hauses behilflich sein und es finanziell unterstützen. Balaam und seine Familie stecken all ihre Hoffnung in PMS und freuen sich, bald ein besseres Zuhause zu haben.

7. Begegnung: Meeran

Meeran lebt in dem Dorf Haji Abdullah Dars, das zur Region Khori gehört. Seit sieben Jahren lebt sie hier und seit dem Tod ihres Mannes vor einigen Jahren trägt sie die alleinige Verantwortung für ihre acht Kinder.

Von ihren vier Söhnen haben zwei bereits geheiratet, die anderen beiden leben noch bei ihrer Mutter. Meeran und ihre Kinder arbeiten auf dem Feld, um für ihren täglichen Bedarf zu sorgen.

Eine alleinerziehende Mutter und Witwe hat es nie leicht. Kommt aber noch strukturelle Armut zu den ohnehin schweren Umständen, stehen die Betroffenen vor oft beinahe erdrückenden Herausforderungen. Foto: humedica/PMS

Die Flut im Jahr 2011 überkam und verwüstete die gesamte Region. Auch Meerans Haus wurde gänzlich weggeschwemmt und sie war gezwungen, mit ihren Kindern in das Zuhause ihres Vaters zu ziehen. Ihr eigenes Haus wieder aufzubauen, entschwand aufgrund des Geldmangels in unerreichbare Ferne.

Im Mai 2012 entschied sich PMS für die Unterstützung der Dörfer in Sanghar und so auch für die Hilfe für Meeran und ihre Lieben. Sie werden eine sichere und wasserfeste Unterkunft bekommen und auch bis zur Vollendung wird ihr und ihrer Familie Schutz bereitgestellt. Meeran ist sehr dankbar und freut sich, dass so vielen pakistanischen Dörfern geholfen wird, die es zwar so dringend nötig haben, aber keinerlei sonstige Hilfe und Aufmerksamkeit bekommen.

Auch über die hier vorgestellten Menschen hinaus leiden viele Familien noch immer unter den Nachwirkungen der schweren Überflutungen im Jahr 2011. Ihre Existenzen wurden zerstört und für einen Neubeginn haben sie nicht die Möglichkeiten und finanziellen Mittel. Oft kommt auch körperliches Leid dazu, das die Menschen um Hilfe rufen lässt, was jedoch von anderen Brennpunkten in den Hintergrund gerückt oder nicht gehört wird.

humedica will auch den Leidenden helfen, die aus dem öffentlichen Interesse verdrängt und schon vergessen wurden, aber stets auf Unterstützung und Hilfe angewiesen sind, wie beispielsweise die Menschen in Pakistan. Durch Ihre Unterstützung ist uns das möglich. Herzlichen Dank!

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